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Fortschritte bei der individualisierten Therapie dank neuer Biomarker und Gendiagnostik

Träger des Paul-Martini-Preises 2007: die Professoren Schüle und StrassburgFür ihre Forschungsarbeiten, durch die künftig HIV-Infizierte und Darm- oder Prostatakrebs-Patienten gezielter behandelt und dabei schwere Nebenwirkungen vermieden werden können, wurden am 16. April 2007 Prof. Dr. Christian Strassburg, Medizinische Hochschule Hannover, und Prof. Dr. Roland Schüle, Universität Freiburg, mit dem Paul-Martini-Preis ausgezeichnet.


Prof. Dr. Christian StrassburgChristian Strassburg, Abteilung Gastroenterologie und Hepatologie der Medizinischen Hochschule Hannover, erhielt den Preis für seine Entdeckung, warum bestimmte Krebs- und HIV-Medikamente bei einigen Patienten schwere Nebenwirkungen wie Gelbsucht hervorrufen. Als Ursache konnte er vererbte Mutationen in spezifischen Enzymen ausmachen, die für den Abbau von nicht mehr benötigtem rotem Blutfarbstoff, aber auch von bestimmten Arzneistoffen, sorgen. Bei diesem als Glukuronidierung bezeichneten Vorgang wird eine Substanz so verändert wird, dass sie wasserlöslich wird und damit ausgeschieden werden kann. Künftig werden Ärzte vor der Verordnung der betreffenden Medikamente mit einem Gentest sicherstellen können, dass ihre Patienten nicht die Mutationen aufweisen, die schwere Nebenwirkungen verursachen können. Falls doch, können sie direkt eine Alternativtherapie planen, die von diesen Patienten besser vertragen wird - ein wichtiger Beitrag zur individualisierten Medizin.

Roland Schüle, Direktor des Zentrums für Klinische Forschung der Universität Freiburg, entdeckte zusammen mit Kollegen am Bonner Universitätsklinikum, an welchen Molekülen sich die Aggressivität eines Prostatakrebses erkennen lässt. Davon hängt ab, wie der Krebspatient am besten behandelt werden sollte. Bislang konnte eine solche Abschätzung nur durch erfahrene Pathologen mit Hilfe mikroskopischer Betrachtungen der Prostatagewebsarchitektur vorgenommen werden - ein aufwendiges und häufig ungenaues Verfahren. Die neuen Biomarker sind sowohl für die Therapie als auch für das gesamte klinische Management von Patienten mit aggressivem Prostatakrebs von großer Bedeutung. Darüber hinaus hat Schüle mit seiner Forschung eine Reihe neuer Targetmoleküle identifiziert, die den Patienten künftig möglicherweise auch in Form neuer Therapieoptionen zugute kommen könnten.

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Die gemeinnützige Paul-Martini-Stiftung mit Sitz in Berlin fördert die Arzneimittelforschung sowie die Forschung über Arzneimitteltherapie und intensiviert den wissenschaftlichen Dialog zu Fragen der Arzneimittelforschung und -entwicklung zwischen medizinischen Wissenschaftlern in Universitäten, Krankenhäusern, der forschenden pharmazeutischen Industrie und anderen Forschungseinrichtungen sowie Behörden. Träger der Stiftung ist der Verband Forschender Arzneimittelhersteller e. V. (VFA) in Berlin. Der Paul-Martini-Preis wird jährlich von der Paul-Martini-Stiftung für herausragende Leistungen in der klinisch-therapeutischen Arzneimittelforschung verliehen und ist mit 25.000 Euro dotiert.»

Die Verleihung des Paul-Martini-Preises fand im Rahmen der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) in Wiesbaden statt. Bei diesem Kongress wurde von dem Mediziner Prof. Ludwig Thierfelder ein weiterer Gentest vorgestellt, auf dessen Basis sich ein bestimmter Gendefekt frühzeitig erkennen lässt, der mit dem plötzlichen Herzstillstand jüngerer Menschen in Verbindung gebracht wird. Entsprechende therapeutische Interventionen (Implantation eines Defibrillators) können nach bisherigen Daten die Lebenserwartung der betroffenen Patienten normalisieren, vorausgesetzt, der Gendefekt wird erkannt.

Diese und weitere Forschungsergebnisse werden Ärzte im Rahmen der individualisierten Medizin voraussichtlich im Laufe der nächsten Jahre mehr und mehr in die Lage versetzen, auf Grund genetischer Biomarker abzuleiten, welches Präparat sie bestimmten Patienten in welcher Dosierung verordnen und welches sie besser vermeiden sollten. Bio- und gentechnologische Methoden sind bei der Erforschung und Entwicklung von Biomarkern für die individualisierte Medizin unerlässlich und tragen entscheidend zum Nutzen für die Patienten bei.