Bislang werden Impfstoffe fast ausschließlich eingesetzt, um Infektionskrankheiten vorzubeugen. Therapeutische Impfstoffe sollen dagegen nicht der Prävention, sondern der Therapie von Krankheiten, insbesondere von Krebserkrankungen dienen. Pharmaforscher testen solche therapeutischen Impfstoffe aber auch gegen chronische Viruserkrankungen wie beispielsweise die Leberinfektion Hepatitis C, zur Therapie von Patienten mit Alzheimer oder Bluthochdruck sowie zur Raucherentwöhnung.

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Bei der therapeutischen Impfung gegen Bluthochdruck wird dem Immunsystem der Patienten ein körpereigenes Hormon, das den Blutdruck steigert, als Antigen präsentiert[1]. Der Impfstoff besteht aus einem kugelförmigen virusartigen Eiweiß (Qbeta), dessen Oberfläche mit Angiotensin II-Molekülen gespickt ist. Dadurch ist es möglich, auch gegen das körpereigene Angiotensin eine Immunreaktion zu erzeugen. Die Ergebnisse der ersten Patientenstudien zeigen, dass das Immunsystem dieses Hormon auch tatsächlich als fremd erkennt und abfängt und in Folge dessen der Blutdruck sinkt.

Zur Raucherentwöhnung ist ein Impfstoff in Entwicklung, bei dem gentechnisch hergestellte Trägerproteine zu „virus-like particles“ (VLP) aggregieren, an die chemisch Nikotin gebunden wird. Die VLP präsentieren dem Immunsystem Nikotin als Antigen. Dies ist wichtig, weil ungebundene Nikotinmoleküle zu klein sind, um als Antigen wahrgenommen zu werden. Das Immunsystem regiert in Folge mit der Bildung von Antikörpern, die das beim Rauchen zugeführte Nikotin abfangen, sodass die von Rauchern als angenehm empfundene Nikotinwirkung im Gehirn ausbleibt. Die Raucherentwöhnung wird somit unterstützt.

Therapeutische Impfstoffe könnten außerdem eine ganz neue Generation spezifischer Krebsmedikamente darstellen, da das Immunsystem neben der Abwehr von Krankheitserregern auch körpereigene Zellen zerstören kann, die zu Krebszellen entartet sind. Die therapeutischen Krebsimpfstoffe helfen dem körpereigenen Immunsystem bei dieser Aufgabe. Krebszellen enthalten an ihrer Zelloberfläche charakteristische Eiweißmoleküle, die als Antigene das Immunsystem auf die Tumorzellen aufmerksam machen können. Um dem Immunsystem auf die Sprünge zu helfen, enthält ein therapeutischer Krebsimpfstoff neben den tumorspezifischen Antigenen ein Adjuvans als Wirkverstärker. Besonders weit fortgeschritten – in Phase III der klinischen Erprobung – sind therapeutische Impfstoffe gegen Prostata-, Nieren- und nicht-kleinzelligen Lungenkrebs sowie gegen das Non-Hodgkin-Lymphom. Darüber hinaus befinden sich auch Impfstoffe gegen schwarzen Hautkrebs und Brustkrebs in der klinischen Entwicklung.

Die meisten dieser Krebsimpfstoffe enthalten gentechnisch hergestellte Antigene. Es wird zudem auch erprobt, abgetötete Zellen aus dem Tumor des Patienten als Antigene zu verwenden. In diesem Fall würde es sich nicht nur um tumor-, sondern darüber hinaus auch um patientenspezifische Impfstoffe handeln.

Bereits heute gibt es schon präventive Krebsimpfstoffe, da durch die Impfung gegen Hepatitis B-Viren oder gegen humane Papillomviren (HPV) die möglichen Folgekrankheiten Leber- bzw. Gebärmutterhalskrebs verhindert werden können. Künftig könnten auch Tumorantigene die Basis für präventive Krebsimpfstoffe darstellen, um die Entstehung von Tumoren von vornherein zu verhindern. Auf diesem Gebiet ist allerdings noch sehr viel Grundlagenforschung erforderlich.

Aufgrund der großen Fortschritte der molekularbiologischen und gentechnischen Forschung könnte schon in einigen Jahren eine ganze Reihe therapeutischer Impfstoffe zur Behandlung bereits bestehender Krebserkrankungen betroffenen Patienten zu Gute kommen.


Literaturtipp:
1 http://www.paul-martini-stiftung.de/de/veranstaltungen/zusammenfassung_satsyp2008.pdf


Stand: 23.02.2009