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Personalisierte Medizin auf dem Weg zum Patienten

Pharmakogenetik: Blutprobe eines Krebspatienten wird auf einen DNS-Chip aufgetragenUnter der personalisierten Medizin versteht man die gezielte Behandlung von Patienten nach vorheriger Erhebung von deren genetischem Profil, da dieses sowohl Ausmaß und Dauer der Medikamentenwirkung als auch der Nebenwirkungen maßgeblich beeinflussen kann. Mit der personalisierten Medizin wird also die Arzneimitteltherapie mehr und mehr auf einzelne Patientengruppen in Abhängigkeit von deren genetischem Profil abgestimmt.

Dieses Vorgehen ist erst durch die Erforschung des menschlichen Genoms möglich geworden. Darüber hinaus spielen winzige Veränderungen, die sogenannten "Single Nucleotide Polymorphisms" (SNPs, ausgesprochen als snips') eine große Rolle. Diese sind in vielen Fällen lediglich eine allgemeine genetische Spielart ohne große Auswirkungen zwischen verschiedenen Menschen, können aber eben auch mit Wirksamkeit und Verträglichkeit von Medikamenten assoziiert sein.

Nach jahrelanger intensiver Forschung kommt die personalisierte Medizin inzwischen nach und nach beim Patienten an. So hat beispielsweise die US-amerikanische Arzneimittelbehörde 2007 erstmalig vor der Anwendung Warfarin-haltiger Produkte beim Patienten einen genetischen Test empfohlen. Warfarin wird zur Hemmung der Blutgerinnung eingesetzt, um beispielsweise bei Risikopatienten die Gefahr von Thrombosen und Schlaganfällen zu senken. Da circa 30 Prozent der Patienten Warfarin auf Grund bestimmter Genvariationen langsamer abbauen und deshalb - wenn sie die Standarddosis erhalten - über einen zu hohen Warfarin-Spiegel im Körper verfügen, kann es bei diesen zu schweren Blutungen kommen. Im Umkehrschluss bleibt bei einer zu niedrigen Dosierung die angestrebte Senkung des Thromboserisikos aus. Zurückzuführen ist dieser unterschiedliche Abbau des Warfarins auf Genvarianten des CYP2C9- und des VKORC1-Gens. Das genetische Profil der Patienten kann also dabei helfen, die Dosierung dieses Arzneimittels gezielt auf den jeweiligen Patienten abzustimmen, um die gewünschte Wirksamkeit zu gewährleisten und vor allem auch unerwünschte Nebenwirkungen zu vermeiden.

Personalisierte Medizin ist aber auch schon in anderen Bereichen im täglichen Einsatz. So entscheidet zum Beispiel die Anzahl spezifischer Rezeptoren an der Oberfläche von Brustkrebszellen darüber, ob das Biopharmazeutikum Trastuzumab zur Behandlung überhaupt in Frage kommt oder nicht. Des weiteren ist ein Genchip verfügbar, der zum Einsatz kommt, um die individuelle Ausstattung eines Patienten mit Genen für bestimmte Medikamente-abbauende Leberenzyme zu erfassen, da diese bei einigen Arzneimitteln wiederum für die Wahl der geeigneten und erforderlichen Dosierung von großer Bedeutung ist. Weitere Beispiele sind Azathioprin und Mercaptopurin, die gegen Autoimmunkrankheiten bzw. gegen Leukämie eingesetzt werden. Und erst kürzlich wurde ein neuer monoklonaler Antikörper zur Behandlung von Dickdarmkrebs für Patienten zugelassen, deren Tumorzellen über einen spezifischen Rezeptor verfügen sowie ein nicht mutiertes KRAS-Gen aufweisen. Die Ergebnisse zu diesem genetischen Biomarker müssen allerdings noch in weiteren Studien überprüft werden.

Für die weitere Etablierung der personalisierten Medizin müssen allerdings für jeden neuen Ansatz drei grundsätzliche Aspekte sorgfältig erforscht und abgesichert sein:

  1. Die entsprechenden Messgenauigkeiten und ‑empfindlichkeiten für den jeweiligen Marker müssen valide, d. h. verlässlich sein.
    • Der Test muss außerdem eine Krankheit zuverlässig feststellen oder vorhersagen können.
      • Und der Test muss darüber hinaus auch klinisch relevant sein, d. h. die Bedeutung des Befundes für den einzelnen Patienten muss klar sein, inklusive möglicher präventiver oder therapeutischer Ansatzpunkte.
Bio- und gentechnologische Methoden waren und sind Wegbereiter und unerlässliche Basis der personalisierten Medizin. Die forschenden Arzneimittelhersteller sind auf diesem Gebiet sehr aktiv mit dem Ziel, Krankheiten möglichst rechtzeitig zu erkennen, um so früh wie möglich und nötig Maßnahmen zur Vorbeugung oder Behandlung ergreifen zu können. Darüber hinaus ist die zielgerichtete Therapie ein großes Anliegen, um die gewünschte Wirksamkeit sicher zu stellen, Nebenwirkungen zu reduzieren und um nur diejenigen Patienten zu therapieren, die tatsächlich auf das Arzneimittel ansprechen.