Das Bundesforschungsministerium und die Deutsche Krebshilfe werden gemeinsam die Beteiligung deutscher Forscher beim International Cancer Genome Consortium (ICGC) unterstützen. Das ICGC hat sich das Ziel gesetzt, im Rahmen eines internationalen Krebsforschungsprojekts mindestens 50 Tumoren genetisch zu charakterisieren und die daraus resultierenden Ergebnisse mit den entsprechenden klinischen Befunden zu korrelieren. Deutsche Krebsforscher werden nun ebenfalls ihre Expertise einbringen und sich gemeinsam mit Experten aus aller Welt ab Herbst 2009 im ICGC engagieren.

Brustkrebszelle (grün), die eine große Zahl von HER2-Rezeptoren (rosa) an der Oberfläche trägt, an die sich monoklonale Antikörper (Y-förmig, beige) binden können (©  Roche, Computergrafik)
Die Zahl der Krebsneuerkrankungen und der damit zusammenhän-genden Todesfälle steigt weltweit kontinuierlich an, was insbesondere auch auf die zunehmend älter werdende Bevölkerung zurückzuführen ist. Im Jahr 2007 wurden weltweit schätzungsweise 12 Millionen neue Krebsfälle diagnostiziert und 7,6 Millionen Menschen starben an ihrer Krebserkrankung. Annahmen zufolge wird es 2050 circa 27 Millionen jährliche Neuerkrankungen und 17,5 Millionen krebsbedingte Todesfälle geben[1]. Allein in Deutschland liegt laut Robert-Koch-Institut die Zahl der jährlich auftretenden Neuerkrankungen an Krebs bei ca. 440.000[2].

Während allerdings noch vor einigen Jahrzehnten die Diagnose Krebs meist einem Todesurteil gleich kam, hat sich die Wahrscheinlichkeit, eine Krebserkrankung mindestens fünf Jahre zu überleben, deutlich verbessert und liegt heute bei etwa 50-60 Prozent. Mittelfristig wird angestrebt, durch gezielte Therapien immer mehr Krebsfälle zu chronischen Erkrankungen zu machen. Langfristig ist das Ziel, Krebs vollständig heilen oder im besten Fall sogar über präventive Ansätze ganz verhüten zu können.

Das ICGC wird einen maßgeblichen Beitrag zum besseren Verständnis der Tumorbiologie leisten, um vor allem bei Krebserkrankungen mit besonders hoher Sterblichkeitsrate eine individuellere Diagnose, Therapie und Prävention zu ermöglichen. Bereits im November 2008 hat das ICGC die Unterstützung von elf Organisationen in acht verschiedenen Ländern bekanntgegeben, die sich der detaillierten Analyse genetischer Veränderungen bei acht Krebsarten widmen werden. Dazu zählen beispielsweise Tumoren, die die Bauchspeicheldrüse, den Magen, die Leber aber auch die Mundhöhle und die Brust betreffen sowie die chronische lymphatische Leukämie.

Molekularbiologische und biotechnologische Methoden – insbesondere aufgrund der zielgerichteten Krebstherapeutika – haben die Praxis der Tumortherapie in den letzten Jahren bereits deutlich zum Nutzen für die Patienten verändert. So betrug die Überlebensrate bei akuten lymphatischen Leukämien 1978 lediglich acht Prozent. Durch gezielte Kombination bereits vorhandener Therapien und neuer Medikamentenklassen wie Kinasehemmer und Antikörper konnte diese auf 50 Prozent verbessert werden; in einigen Untergruppen sogar auf bis zu 90 Prozent. Bei Darmkrebs, an dem allein in Deutschland jährlich 73.000 Menschen erkranken und 28.000 sterben[2], lag die mittlere Überlebenszeit im fortgeschrittenen Stadium vor Einführung der Chemotherapie bei lediglich sechs Monaten. Diese konnte in den letzten Jahren durch frühere Diagnostik (Vorsorgeuntersuchungsprogramme) sowie durch den Einsatz innovativer Arzneimittel inklusive der neu entwickelten monoklonalen Antikörper deutlich gesteigert werden. Das Krebsforschungsprojekt des ICGC lässt auf weitere Fortschritte hoffen!


1 Garcia et.al, Global Cancer Facts and Figures 2007, American Cancer Society, Atlanta 2007

2 Krebs in Deutschland 2003-2004 – Häufigkeiten und Trends, eine gemeinsame Veröffentlichung des Robert-Koch-Instituts und der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e. V., 6. überarbeitete Auflage, 2008.


Stand: 12.08.2009