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Stammzellforschung: VFA Bio gegen Stichtagsregelung

Stammzellen-Forschung in London: Embryonale StammzellenIn Deutschland ist jedwede verbrauchende Embryonenforschung und damit auch die Herstellung menschlicher embryonaler Stammzellen verboten. Nach dem Stammzellgesetz von 2002 dürfen solche Zellen zwar aus dem Ausland importiert werden, allerdings nur dann, wenn sie vor dem 1. Januar 2002 gewonnen wurden (Stichtagsregelung), von überzähligen Embryonen stammen und es sich um hochrangige Forschungsvorhaben handelt, deren Erkenntnisse nicht durch Tierversuche zu gewinnen sind. Adulte Stammzellen, die beispielsweise aus dem Knochenmark von Erwachsenen oder aus dem Nabelschnurblut Neugeborener stammen, sind ethisch unbedenklich und können deshalb auch in Deutschland gewonnen und zur Therapie von Krankheiten eingesetzt werden.

Bereits bei der Verabschiedung des Stammzellgesetzes war darauf hingewiesen worden, dass Fortschritte in der Stammzellforschung dazu führen könnten, dass die Stichtagsregelung für embryonale Stammzellen überprüft werden müsse. Inzwischen ist bekannt geworden, dass die vor dem deutschen Stichtag hergestellten Stammzelllinien mit tierischen Proteinen verunreinigt sind, da sie damals nur mit Hilfe tierischer Zellen gezüchtet werden konnten. Dies kann Forschungsergebnisse verfälschen und schließt ihre Verwendung in Studien am Menschen aus.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat deshalb unlängst die Diskussion mit den folgenden drei Forderungen erneut angestoßen:

  • Die Stichtagsregelung sollte abgeschafft werden. Der Forschung in Deutschland sollten auch neuere, im Ausland hergestellte und verwendete Stammzelllinien zugänglich gemacht werden, sofern diese aus "überzähligen" Embryonen entstanden sind.
  • Die Einfuhr von Zelllinien sollte zusätzlich zu reinen Forschungszwecken auch dann erlaubt sein, wenn diese für diagnostische, präventive und therapeutische Zwecke verwendet werden sollen.
  • Die Strafandrohung für deutsche Wissenschaftler, insbesondere wenn sie im Ausland an Stammzellforschungsprojekten arbeiten, sollte aufgehoben und der Geltungsbereich des Stammzellgesetzes eindeutig auf das Inland bezogen bleiben.

Stammzellforschung in den USA: Entnahme einer einzelnen Zelle aus einem Embryo im FrühstadiumVFA Bio hat Verständnis für diese Forderungen, da die Forschung mit humanen Stammzellen große Chancen für die Therapie vieler bisher nicht oder nur unzureichend behandelbarer Krankheiten verspricht. Dies gilt ungeachtet der Tatsache, dass sich die Forschung mit humanen Stammzellen derzeit noch im Stadium der Grundlagenforschung befindet und noch keine Marktrelevanz aufweisen kann. Nach heutigem Wissensstand kann die Forschung mit adulten Stammzellen diejenige mit embryonalen Stammzellen nicht ersetzen, da embryonale und adulte Stammzellen verschiedene Entwicklungsmöglichkeiten aufweisen. Derzeit lässt sich nicht abschließend beurteilen, welche Arten von Stammzellen am besten für die Grundlagenforschung und für die therapeutische Anwendung geeignet sind. Darüber hinaus ist auch denkbar, dass möglicherweise am Ende nur bestimmte Wachstumsfaktoren zum therapeutischen Einsatz kommen, deren Erforschung aber auf dem Einsatz humaner Stammzellen basiert. Deshalb sollte die Forschung nicht einseitig entweder nur auf embryonale oder nur auf adulte Stammzellen beschränkt werden. Diese Ergebnisoffenheit setzt aus Sicht von VFA Bio eine Mittel- bzw. Wegeoffenheit voraus. Daher sollte die Stichtagsregelung des Stammzellgesetzes entfallen, da sie die Forschung in diesem sich rasch entwickelnden Wissensgebiet einschränkt.

Auch mit Blick auf den Forschungs- und Pharmastandort Deutschland und der sich durch die Stichtagsregelung ergebenden Wettbewerbsnachteile für Deutschland sollte diese Regelung gestrichen werden, wie dies auch von einigen Wissenschaftsorganisationen (siehe aktuelle Forderung der DFG) und Politikern gefordert wird. Die derzeitige Rechtslage für Arbeiten mit humanen embryonalen Stammzellen in Deutschland ist ein Forschungshindernis, welches den Forschungsstandort Deutschland auf dem Gebiet der Stammzellforschung und auch auf angrenzenden innovativen Forschungsgebieten gefährdet. Inzwischen ist nämlich Deutschland das einzige, große EG-Mitgliedsland mit solch restriktiven Regelungen. Von Österreich und Irland abgesehen, bieten alle anderen EG-Mitgliedstaaten mit nennenswerten Forschungsaktivitäten wesentlich bessere Bedingungen und können die inzwischen verfügbaren neuen Stammzelllinien nutzen oder diese sogar im eigenen Land herstellen.

VFA Bio unterstützt daher im Interesse der Forschungsfreiheit und des möglichen späteren Nutzens für die Patienten die ersatzlose Streichung der Stichtagsregelung des Stammzellgesetzes.

Stand: 30.11.2006