Für ihre Arbeit an einem neuen Medikament gegen allergisches Asthma haben Prof. Dr. med. Harald Renz und Prof. Dr. rer. nat. Holger Garn von der Philipps-Universität Marburg den diesjährigen Paul-Martini-Preis erhalten. „Der erbrachte Wirksamkeitsnachweis ist ein Meilenstein nach fünfzehn Jahren konsequenter Forschungs- und Entwicklungsarbeit – sowohl zu einem neuen Ansatzpunkt für die Asthmatherapie als auch zu einer neuen Art von Wirkstoff“ – so würdigte Prof. Dr. Stefan Endres, München, die Arbeit der Preisträger im Namen der sechsköpfigen Jury.

Prof. Dr. rer. nat. Holger Garn (links) und Prof. Dr. med. Harald Renz, die diesjährigen Paul-Martini-Preisträger. (© Paul-Martini-Siftung)


Der von den Preisträgern gegen allergisches Asthma entwickelte neue Wirkstoff hgd40 ist ein sogenanntes DNAzym. So werden synthetische DNA-Moleküle bezeichnet, die eine RNA-spaltende Endonuklease-Aktivität mit den Eigenschaften von Antisense-Sequenzen verbinden. Das Molekül hgd40 kann spezifisch die mRNA für den Transkriptionsfaktor GATA3 inaktivieren. In einer klinischen Phase-IIa-Studie konnten die Preisträger und ihre Koautoren zeigen, dass sich die asthmatische Reaktion bei Patienten abmildern lässt, wenn dieses DNAzym inhaliert wird. Die Verträglichkeit der Therapie war sehr gut.

Dieser Wirksamkeitsnachweis, der 2015 im New England Journal of Medicine publiziert wurde, ist in zweifacher Hinsicht bemerkenswert: Zum einen wird damit der Transkriptionsfaktor GATA3 als therapeutischer Ansatzpunkt für die Linderung von allergischem Asthma bestätigt. Zum anderen wird erstmals überhaupt die klinische Wirksamkeit eines inhalativ verabreichten DNAzyms gezeigt.

In weiteren klinischen Studien muss nun das Ergebnis abgesichert und der therapeutische Stellenwert des Wirkstoffs ausgelotet werden, ehe ein Zulassungsantrag gestellt werden kann. Das Behandlungskonzept kann möglicherweise auch auf Atopische Dermatitis und Colitis ulcerosa sowie weitere chronische Entzündungskrankheiten mit ähnlicher Fehlregulation übertragen werden.

Die Preisträger

Prof. Dr. med. Harald Renz ist Ärztlicher Geschäftsführer und Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Gießen und Marburg am Standort Marburg und Direktor des Instituts für Laboratoriumsmedizin in Marburg und Gießen.

Prof. Dr. rer. nat. Holger Garn ist Leiter des Forschungsbereichs des Instituts für Laboratoriumsmedizin und Pathobiochemie – Molekulare Diagnostik, Zentrum für Tumor- und Immunbiologie (ZTI), Fachbereich Medizin der Philipps-Universität Marburg.

Beide gründeten 2006 zusammen mit Dr. Joachim Bille das Marburger Unternehmen sterna biologicals, das Forschung und Entwicklung neuer Therapeutika im Bereich chronischer entzündlicher Erkrankungen wie Asthma, Neurodermitis, Psoriasis und COPD betreibt.

Die diesjährigen Paul-Martini-Preisträger Prof. Dr. rer. nat. Holger Garn (2. von links) und Prof. Dr. med. Harald Renz (3. von links) mit dem stellv. Vorstandssprecher der Paul-Martini-Stiftung Dr. Kristian Löbner (links) und dem Leiter der Jury, Prof. Dr. med. Stefan Endres (rechts) (© Paul-Martini-Stiftung)


Die Paul-Martini-Stiftung

Die gemeinnützige Paul-Martini-Stiftung mit Sitz in Berlin fördert die Arzneimittelforschung sowie die Forschung über Arzneimitteltherapie und intensiviert den wissenschaftlichen Dialog zwischen medizinischen Wissenschaftlern in Universitäten, Krankenhäusern, der forschenden Pharmaindustrie, anderen Forschungseinrichtungen und Vertretern der Gesundheitspolitik und der Behörden. Träger der Stiftung ist der vfa, Berlin, mit seinen derzeit 43 Mitgliedsunternehmen.

Die Stiftung ist benannt nach dem herausragenden Bonner Wissenschaftler und Arzt Professor Paul Martini (1889-1964) in Würdigung seiner besonderen Verdienste um die Förderung und Weiterentwicklung der klinisch-therapeutischen Forschung, die er mit seiner 1932 veröffentlichten „Methodenlehre der therapeutischen Untersuchung“ über Jahrzehnte wesentlich geprägt hat.

Die diesjährige Preisverleihung fand am 01. Mai 2017 bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) in Mannheim statt. Der mit 25.000 Euro dotierte Preis wird jährlich von der Paul-Martini-Stiftung, Berlin, für herausragende Leistungen in der klinisch-therapeutischen Arzneimittelforschung verliehen.