Die X-Prize Foundation hat einen Preiswettbewerb der besonderen Art – den Archon Genomics X-Prize – ausgeschrieben: Forscher sind aufgerufen, innerhalb von 30 Tagen die Gene von hundert gesunden 100-Jährigen (oder älter) zu entziffern. Das Team, dem dies am schnellsten gelingt, erhält 10 Millionen US Dollar Preisgeld.

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Weitere Entscheidungskriterien sind die Kosten pro sequenziertem Genom (maximal 10.000 US Dollar, „best-in-class“-Kriterium: 1.000 US Dollar oder weniger) sowie Fehlerquoten und Vollständigkeit der Sequenzen. Am 3. Januar 2013 werden die teilnehmenden Teams jeweils identische 100 Genomproben erhalten. Sie müssen die Sequenzierungsarbeiten spätestens bis zum 3. Februar 2013 beendet haben. Die Preisverleihung wird am 28. Februar 2013 stattfinden.

In der biomedizinischen Forschung werden bisher gezielt vor allem Krankheiten und deren genetische Ursachen untersucht, um mit Hilfe dieser Erkenntnisse neue Therapien zu entwickeln. Das aktuelle „100 mal 100-Projekt“ geht das Thema Gesundheit erstmalig von der anderen Seite an. Denn es sollen spezielle Erkenntnisse gesammelt werden, welche Rolle die Gene bei einem hohen und krankheitsfreien Alter spielen. Diese ungewöhnliche Herangehensweise könnte Fragen beantworten, wie beispielsweise, ob es tatsächlich die genetische Ausstattung eines Menschen ist – und wenn ja welche –, die über dessen Gesundheitszustand insbesondere im fortgeschrittenen Alter entscheidet.

Gerade mit Blick auf die demografischen Veränderungen sowohl in den Industrie- als auch in den Schwellen- und Entwicklungsländern könnten die gewonnenen Erkenntnisse von großer Bedeutung sein, da sich daraus möglicherweise auch neue präventive oder therapeutische Ansätze ableiten ließen. Der Wettbewerb der X-Prize Foundation wird sicherlich einen Anreiz für viele Teams setzen, sich zu beteiligen, sodass am Ende die 100 Genome möglichst häufig sequenziert sein sollten. Da bei dieser Art von Untersuchungen nicht nur die Qualität der Daten, sondern auch die Quantität eine Rolle spielt, wäre dies für die Ziele des Projektes ausgesprochen förderlich.

Die gemeinnützige X-Prize Foundation wurde 1995 in Playa Vista/USA von Dr. Peter Diamandis, einem Unternehmer im Bereich Raumfahrt, gegründet und schreibt regelmäßig Preise für technische und wissenschaftliche Entwicklungen aus, die schlussendlich dem Wohl der Menschheit dienen sollen. Die Stiftung hat sich schon mehrfach mit ungewöhnlichen Wettbewerben hervorgetan: 1996 beispielsweise für einen privat finanzierten Flug bis an den Rand des Erdorbits (Ansari X-Prize). Das Preisgeld hierfür sicherte sich acht Jahre später das Raketenflugzeug SpaceShipOne. In einem weiteren Wettbewerb (Progressive Insurance Automotive X-Prize) ging es darum, ein Auto zu bauen, das für 100 Meilen nur eine Gallone Sprit benötigt.

Eine weitere bereits gestartete X-Prize-Runde mit medizinischem Bezug betrifft die Entwicklung eines benutzerfreundlichen medizinischen Diagnosegerätes (Qualcomm Tricorder X-Prize). Der Name Tricorder stammt aus dem Star Trek-Universum und bezeichnet dort ein kleines handliches Messgerät zur schnellen Erfassung physikalischer und medizinischer Parameter. Und demnächst ist ein Preis bei der X-Prize Foundation in Zusammenarbeit mit der Bill & Melinda Gates Foundation zu erwarten, der die Entwicklung einer verbesserten Tuberkulosediagnostik zum Ziel hat.

Der Archon Genomics X-Prize zeigt die Bedeutung der Molekularbiologie und Gentechnologie einmal aus einer anderen Perspektive. Die Gensequenzen der hundert über 100-Jährigen sollen nach dem Wettbewerb der Wissenschaft zur Verfügung gestellt werden und damit die Genomforschung sowie die Generierung neuer medizinisch relevanter Erkenntnisse voranbringen.