Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an den japanischen Forscher Yoshinori Ohsumi. Das schwedische Nobelkomitee hat den Zellbiologen für seine Forschung Anfang der 90er-Jahre ausgezeichnet, die ein tiefgreifendes Verständnis dafür schuf, wie eukaryotische Zellen mit Abfallprodukten von regulären Stoffwechselprozessen umgehen.

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Der Autophagie genannte Prozess wurde schon in den 60er-Jahren beschrieben. Der Name wurde vor allem von dem belgischen Forscher Christian de Duve geprägt, der 1974 – für die Entdeckung des Lysosoms – ebenfalls mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet wurde.

Ohsumis Entdeckungen trugen maßgeblich dazu bei, diesen Prozess weiter zu entschlüsseln. Sein Arbeitsmaterial war dabei ein klassischer Modellorganismus, die Bäckerhefe Saccharomyces cerevisiae. Diese hat, wie alle Pilze, keine Lysosomen, sondern ein großes Zellorganell, das Vakuole genannt wird. Lysosomen und Vakuole übernehmen in den Zellen die Funktion von „Müllschluckern“ und fungieren als Lager beziehungsweise Vesikel für den Abtransport von Abfallprodukten, die die Zellen nicht benötigen. Durch sehr umfangreiche Experimente mit verschiedenen, genetisch veränderten Varianten der Hefe, gelang es Ohsumi und seinen Kollegen schließlich, insgesamt 15 Gene zu bestimmen, die an dem Prozess der Autophagie maßgeblich beteiligt sind(1) .

Das Nobelkomitee begründete seine Entscheidung für den japanischen Forscher damit, dass die Ergebnisse seiner Forschung auch grundlegend für das Verständnis der Stressantwort von Zellen, beispielsweise auf Infektionen, ist. Viele Experten sind zudem überzeugt, dass die weitere Erforschung der Autophagie und ähnlicher in der Zelle ablaufender Abbauprozesse neue Erkenntnisse für die Onkologie und Neurologie mit sich bringen dürfte. Denn Krankheiten wie Krebs oder Alzheimer, deren Risiko mit zunehmendem Alter steigt, sind auch dadurch begünstigt, dass die Prozesse, mit denen Zellen Abfallstoffe entsorgen, nicht mehr richtig funktionieren.

Der Nobelpreis für Medizin wurde traditionsgemäß gemeinsam mit den Preisen der anderen Kategorien am 10. Dezember 2016, dem 120. Todestag des Stifters Alfred Nobel, vom schwedischen König Carl Gustaf in Stockholm verliehen. Gemäß den Statuten soll der Preisträger möglichst auch eine Vorlesung über die prämierte Arbeit halten. Yoshinori Ohsumis Vorlesung fand am 7. Dezember in der Aula medica des Karolinska Institutet in Stockholm statt. (2)
Die Preise sind in diesem Jahr jeweils mit rund 815.000 Euro (8 Millionen schwedische Kronen) dotiert.(3)

Die dem diesjährigen Medizinnobelpreis zugrundeliegenden Forschungsarbeiten wären ohne die modernen Methoden der Molekular- und Zellbiologie undenkbar gewesen, die somit erneut die Basis für mögliche künftige therapeutische Ansätze liefern.


Literaturtipps:
(1) http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2016/press.html
(2) http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/medicine/laureates/2016/ohsumi-lecture.html
(3) http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/about/amounts/