Der diesjährige Medizinnobelpreis geht an die drei US-amerikanischen Forscher Elizabeth Blackburn, Carol Greider und Jack Szostak für ihre Entdeckungen, wie Chromosomen durch die Telomere und das Enzym Telomerase geschützt sind. Sie wurden für ihre Arbeiten bereits im Jahr 2006 mit dem Albert Lasker Award for Basic Medical Research geehrt – ein Preis, der als höchste medizinisch-wissenschaftliche Auszeichnung in den USA und als Indikator für den späteren Medizinnobelpreis gilt.

Bekamen am 10. Dezember 2009 den Nobelpreis für Medizin verliehen: Carol Greider, Elizabeth Blackburn und Jack Szostak (v.l.n.r.; ©  picture alliance)


Blackburn und Szostak haben heraus gefunden, dass die Telomere – eine Wordkombination aus dem Griechischen „Telos“ für Ende und „Meros“ für Teil – wie Schutzkappen auf den Enden der Chromosomen sitzen. Blackburn und Greider haben an Weihnachten 1984 das Enzym Telomerase entdeckt und gezeigt, dass dieses die bei einer Zellteilung verloren gegangenen Fragmente an den Telomeren wiederherstellen kann. Somit verhindert die Telomerase das Verkürzen der Chromosomen bei jeder Zellteilung sowie zelluläre Alterungsprozesse und den programmierten Zelltod. Die Telomerase ist allerdings auch in fast allen Krebszellen in besonders großer Menge aktiv und ermöglicht den Tumoren vermutlich deren unkontrolliertes Wachstum.

Die Bedeutung der Chromosomenenden für deren Stabilität wurde bereits von den früheren US-amerikanischen Nobelpreisträgern Hermann Muller (1946) und Barbara McClintock (1983) erkannt, die auch den Begriff Telomer geprägt hatten. Mit dem aktuellen hundertsten Medizinnobelpreis werden molekularbiologische Arbeiten und Erkenntnisse ausgezeichnet, die das Verständnis der Zelle sowie deren Teilungs- und Alterungsprozesse maßgeblich erweitert und darüberhinaus – basierend auf der gezielten Beeinflussung der Telomerase - einen Ausgangspunkt für neue therapeutische Ansätze geschaffen haben. So sind einige Wirkstoff- und Impfstoffkandidaten, mit denen die Telomerase-Aktivität von Krebszellen reduziert werden soll, bereits in die Phase der ersten klinischen Prüfungen gelangt.

Und auch der Chemienobelpreis 2009 wird aufgrund molekularbiologischer Erkenntnisse verliehen. Ausgezeichnet werden die US-amerikanischen Forscher Venkatraman Ramakrishnan und Thomas Steitz sowie die israelische Wissenschaftlerin Ada Yonath für ihre Studien zur Struktur und Funktion der Ribosomen. Ribosomen sind als „zelluläre Proteinfabriken“ erforderlich, um die Proteine in den Zellen entsprechend der genetischen Vorlage zusammenzusetzen.

Die Wissenschaftler haben die Struktur von Ribosomen auf atomarer Ebene identifiziert und konnten über dreidimensionale Modelle zeigen, wie verschiedene Antibiotika an sie binden. Dies ist auch deshalb medizinisch bedeutsam, da bereits neue Antibiotika entwickelt werden konnten, die die Krankheitserreger durch Hemmung ihrer Proteinsynthese vernichten. Ribosomen stellen somit ein wichtiges Ziel für die Erforschung und Entwicklung neuer Antibiotika dar.

Unter den insgesamt 195 Preisträgern des Medizinnobelpreises sind mit Blackburn und Greider nunmehr zehn Frauen. Die heute siebzigjährige Ada Yonath ist sogar erst die vierte Frau, die überhaupt mit einem Chemienobelpreis geehrt wird. Molekularbiologie und Gentechnik waren für die bahnbrechenden Erkenntnisse auf dem Gebiet der Chromosomen und deren Umsetzung in Proteine durch Ribosomen von zentraler Bedeutung. Die jeweils mit knapp einer Million Euro dotierten Nobelpreise werden am 10. Dezember 2009, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel, in Stockholm vom schwedischen König Carl Gustav verliehen.


Stand: 10. Dezember 2009