US-amerikanische Forscher haben erste Hinweise darauf gefunden, dass HIV-positive Menschen möglicherweise mit Hilfe einer Gentherapie behandelt werden könnten(1) . Basis für diesen neuen Ansatz ist die genetische Veränderung des CCR5-Gens. Die HI-Viren benötigen das von diesem Gen in den menschlichen Zellen hergestellte CCR5-Protein, um in Immunzellen einzudringen, sich zu vermehren und die Zellen anschließend zu zerstören.

(© vfa / Reimann)
Zuvor war bereits bekannt, dass ungefähr einer von hundert Europäern zwei Kopien des veränderten CCR5-Gens in sich trägt und somit immun gegen HIV ist. Diese natürlich vorkommende Mutation wurde in den aktuellen Forschungsarbeiten nachgeahmt. So wurden in einer klinischen Studie zwölf HIV-positiven Patienten Zellen des Immunsystems – sogenannte T-Lymphozyten – entnommen. Deren CCR5-Gen wurde verändert, die Zellen wurden vermehrt und anschließend in den Blutkreislauf der Patienten reinjiziert. Bei der Hälfte der Patienten wurde nach der Infusion der gentechnisch veränderten T-Lymphozyten die Therapie mit antiretroviralen Medikamenten abgesetzt, die übrige Hälfte diente als Kontrollgruppe. Nach Absetzen der antiviralen Medikation vermehrten sich die HI-Viren in den Patienten der Testgruppe zunächst stark. Bei vier von ihnen nahm die Konzentration der Viren im Anschluss allerdings langsam wieder ab, und einer war sogar nach 84 Tagen komplett virusfrei. Bei diesem einen Patienten wurde allerdings im Nachhinein festgestellt, dass er bereits eine Kopie des Resistenzgens in seinem Erbgut aufwies.

Unter Gentherapie versteht man die gezielte Einführung von Genen bzw. die gezielte Veränderung von Genen (Gene Editing) mit Hilfe geeigneter Übertragungsmethoden in den Zellen von Kranken mit dem Ziel der Heilung oder der therapeutischen Besserung. Die große Bedeutung der Gentherapie gründet sich darauf, dass diese bei bestimmten Krankheiten eine Kausaltherapie – also die Behandlung der eigentlichen Krankheitsursache – möglich machen könnte. Derzeit befinden sich die meisten gentherapeutischen Ansätze allerdings noch im Forschungs- und Entwicklungsstadium.

Grundsätzlich konnte mit dieser Studie gezeigt werden, dass eine Gentherapie eine Langzeitbehandlung HIV-infizierter Patienten ermöglichen kann. Die gentherapeutisch veränderten Immunzellen waren mit einer Halbwertzeit von 48 Wochen sehr lange in den Patienten nachweisbar. Nun werden weitere und vor allem größere Studien mit deutlich mehr Patienten erforderlich sein, um dieses erste Ergebnis zu bestätigen. Bis HIV-Patienten tatsächlich mittels Gentherapie therapiert und vielleicht sogar geheilt werden können, werden noch viele Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten erforderlich sein.

Auch auf dem Gebiet der AIDS-Prävention konnten unlängst Fortschritte erzielt werden(2) . So wurde der Wirkstoff eines forschenden Pharma-Unternehmens von US-amerikanischen Forschern mit Affen getestet. Der Wirkstoff blockiert ein Enzym und verhindert so, dass das HI-Virus sein Erbgut in die Zellen des infizierten Patienten einbauen kann. Getestet wurde, ob die Affen auf diese Weise trotz Sexualkontakts mit HIV-positiven Tieren vor HIV geschützt werden konnten. Die Ergebnisse in diesen Studien fielen positiv aus und müssen nun in klinischen Studien mit Patienten überprüft werden. Sollten die Ansätze erfolgreich sein, könnten Menschen, die ein hohes Risiko für eine HIV-Infektion aufweisen, künftig möglicherweise mit vier Spritzen pro Jahr vor einer Infektion geschützt werden. Ein präventiver Ansatz ist in den USA zwar bereits zugelassen, erfordert allerdings die kontinuierliche tägliche Einnahme von Tabletten. Eine Spritze alle paar Monate wäre in dieser Hinsicht insbesondere für Hochrisikoländer wie beispielsweise in Afrika von großem Vorteil für die Menschen.

Mit diesen neuen Erkenntnissen wird wieder einmal die Bedeutung der Molekularbiologie und Biotechnologie deutlich. Die Vielzahl an Forschungsaktivitäten der letzten Jahre hat das Verständnis des Krankheitsverlaufs bei HIV/AIDS kontinuierlich verbessert und neue therapeutische Optionen zur Bekämpfung von HIV-Infektionen möglich gemacht. Die Gentherapie und der neue präventive Ansatz könnten dieses Armamentarium zum Nutzen für die Patienten entsprechend vergrößern.


Literaturtipps:
(1) Tebas et al., Gene Editing of CCR5 in Autologous CD4 T Cells of Persons Infected with HIV, New England Journal of Medicine, 2014, Vol. 370, pp 901-910
(2) Andrews et al., Long-Acting Integrase Inhibitor Protects Macaques from Intrarectal Simian/Human Immunodeficiency Virus, Science, 2014, Vol. 343, pp 1151-1154