Das springende Gen „Dornröschen“ wurde zum Molekül des Jahres 2009 gekürt. Dabei handelt es sich um ein sogenanntes Transposon, das von Forschern des Max-Delbrück-Centrums (MDC) für Molekulare Medizin in Berlin-Buch gemeinsam mit belgischen Wissenschaftlern entwickelt wurde. Grund für die Auszeichnung ist, dass dieses Transposon vielversprechendes Potenzial für den Einsatz in der Gentherapie zeigt, Gene sogar in Stammzellen und deren Vorläuferzellen einschleusen und stabil in ihre Erbanlagen einbauen kann und sich bisher als sicherer als virale Gentaxis erwiesen hat.

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Transposons entsprechen bestimmten DNA-Abschnitten im Erbgut, umfassen ein oder mehrere Gene und haben die Möglichkeit, ihren Ort im Erbgut zu verändern (Transposition: daher der Name Transposon). Die US-amerikanische Botanikerin und Genetikerin Barbara McClintock hat die Transposons in Mais entdeckt und erstmalig 1948 beschrieben. Zuvor hatte man angenommen, dass Gene an fixen Orten im Genom verankert sind. McClintock wurde für ihre bahnbrechende Entdeckung 1983 mit dem Medizinnobelpreis ausgezeichnet.

Seither hat man in vielen verschiedenen Organismen Transposons nachweisen können. Bei Menschen bestehen fast 50 Prozent des Genoms aus Transposons, deren Funktion weitestgehend ungeklärt ist. In der Genetik spielen insbesondere die Transposons des Modellorganismus Drosophila melanogaster (Taufliege) eine besondere Rolle, da über gentechnisch veränderte Transposons transgene Fliegen, also genetisch veränderte Fliegen, hergestellt werden können, die die Erforschung einzelner Genfunktionen ermöglichen.

Der Titel „Molekül des Jahres“ wird seit 2002 von der wissenschaftlichen Gesellschaft International Society for Molecular and Cell Biology and Biotechnology Protocols and Researches (ISMCBBPR) durch eine internationale Jury vergeben. Die Auszeichnung war zuvor durch das Wissenschaftsmagazin Science für die bedeutendste Forschungsentwicklung eines Jahres ausgelobt worden. Die erste Auszeichnung dieser Art wurde 1989 für Arbeiten rund um die Polymerasekettenreaktion und das Enzym DNA-Polymerase vergeben.

Die aktuellen Arbeiten, die zum Molekül des Jahres 2009 führten, basieren auf Fischtransposons, die vermutlich vor ca. 20 Millionen Jahren aktiv waren. Den MDC-Forschern gelang es trotz der langen Ruhezeit, ein springendes Gen zu reaktivieren und nannten es deshalb in Anlehnung an das gleichnamige Märchen „Dornröschen“. Um die Übertragung von Genen und deren Einbau in die Zielzellen zu verbessern, veränderten die Wissenschaftler dieses Transposon molekularbiologisch. Damit gelang es ihnen, Gene so wirkungsvoll in die Zellen von Wirbeltieren einzuschleusen, wie dies bisher nur mit Viren als „Gentaxis“ möglich war. Eine der großen Herausforderungen bei der Gentherapie besteht darin, Gene, die im Vergleich zu bisherigen Wirkstoffen Riesenmoleküle darstellen, effizient, sicher und gezielt in möglichst viele Zielzellen einzuschleusen. Daher stellen die Dornröschen-Erkenntnisse eine gute Basis für weitere Verbesserungen auf dem Gebiet der Gentherapie dar.


Stand: 9. Februar 2010