Das hochrangige US-amerikanische Wissenschaftsjournal Science hat die wissenschaftlichen Highlights des Jahres 2011 gekürt(1) . Der wissenschaftliche TOP-Durchbruch des vergangenen Jahres kommt aus der Medizin. Ausgezeichnet wurde eine HIV-Studie der medizinischen Fakultät der Universität von North Carolina (USA), in der erstmals belegt werden konnte, dass antiretrovirale Medikamente nicht nur therapeutisch, sondern auch präventiv bedeutsam sind.


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In diese Studie wurden 1.763 heterosexuelle Paare mit je einem HIV-positiven Partner eingeschlossen, wovon die Hälfte der Infizierten antiretrovirale Mittel und die andere Hälfte Placebo bekam. In der ersten Gruppe konnte die Übertragungsrate des HI-Virus um 95% reduziert werden. Zwar war ein gewisser präventiver Effekt der antiretroviralen Mittel vermutet worden, doch eine Erfolgsquote in dieser Höhe hat die Fachwelt positiv überrascht. Science erinnert in einem Kommentar dennoch daran, dass diese Ergebnisse zum einen nur für heterosexuelle Menschen gelten, während die Reduktion des HIV-Übertragungsrisikos bei homosexuellen Männern lediglich 44% betrug. Zum anderen komme wegen der Resistenzentwicklung gegen antivirale Medikamente der Infektionsvermeidung durch beispielsweise die Verwendung von Kondomen auch weiterhin eine entscheidende Bedeutung im Kampf gegen HIV/AIDS zu.

Vier weitere Forschungs-Highlights aus dem Jahr 2011 stammen ebenfalls aus dem Bereich der Medizin: So schützte der Malariaimpfstoff RTS,S in einer Studie mit 15.000 Kindern in Afrika zwar nur die Hälfte der Geimpften vor dem Malariaerreger, allerdings würdigt Science dies dennoch als ersten vielversprechenden Ansatz im Kampf gegen Malaria.

Ein weiteres Highlight basiert auf DNA-Analysen des Darminhalts von Menschen verschiedener Nationalitäten; danach lässt sich die Bevölkerung nach ihren Darmbakterien in drei Gruppen einstufen. Diese bestimmen, wie der jeweilige Mensch die Nahrung verwertet, sind aber ebenso relevant mit Blick auf die Wirksamkeit von Medikamenten.

Der vierte medizinisch-wissenschaftliche Durchbruch aus 2011 ist für Science eine Studie mit Mäusen, bei denen Alterungssymptome wie beispielsweise Muskelschwäche oder Linsentrübung des Auges aufgehalten werden konnten. Die Forscher hatten dafür Zellen, die aufgehört hatten, sich zu teilen – also gealtert waren – entfernt. Die Mäuse lebten zwar nicht länger, allerdings doch deutlich gesünder.

Das fünfte Highlight mit medizinischem Bezug fußt auf dem Vergleich des Genoms von heute lebenden Menschen mit dem bereits ausgestorbener Menschenarten. Danach verfügen die heutigen Menschen häufig über DNA-Anteile aus lange zurück liegender Zeit. Diese archaischen Überreste scheinen unter anderem das Immunsystem des Menschen bis in die Ist-Zeit hinein zu beeinflussen.

Ein weiteres der zehn Forschungs-Highlights des vergangenen Jahres basiert ebenfalls auf genetischen und molekularbiologischen Methoden und hat zur Aufklärung eines wichtigen Proteinkomplexes der pflanzlichen Fotosynthese geführt. Dies wiederum könnte nun die Basis für die Gewinnung „sauberer“ Energie sein. Die vier übrigen Forschungs-Highlights stammen aus den Bereichen Raumfahrt, Astronomie und Geochemie.

Die wissenschaftlichen Höhepunkte des Jahres 2011 betrafen damit sowohl Abläufe im Inneren menschlicher Zellen als auch so weit entfernte Bereiche wie das Universum. Insgesamt war das Wissenschaftsjahr 2011 erneut geprägt durch Hightech-Forschung. Fünf Arbeiten aus der TOP 10-Liste haben dabei einen medizinisch-naturwissenschaftlichen Bezug, was die hohe Innovationskraft speziell in diesem Gebiet deutlich macht.


Quelle des Videos: YouTube; dort eingestellt von ScienceMag

(1) Breakthrough of the Year, The Runners Up, Science 2011, Volume 334, pp. 1629 – 1635