Gleich zwei medizinische Leistungen haben in diesem Jahr den Paul-Martini-Preis für herausragende klinisch-therapeutische Arzneimittelforschung errungen: Prof. Dr. med. Stephan Stilgenbauer, Ulm, und Prof. Dr. med. Michael Hallek, Köln, wurden für eine lebensverlängernde neue Therapie für bestimmte Leukämie-Patienten ausgezeichnet. Privatdozent Dr. med. Jan Wehkamp, Stuttgart, erhielt den Preis für eine Entdeckung, die zu neuartigen Antibiotika auf Basis menschlicher Proteine beitragen kann.

Die Preisträger des Paul-Martini-Preises 2012 (v. l. n. r.): Prof. Dr. med. Michael Hallek (Köln), Prof. Dr. med. Stephan Stilgenbauer (Ulm), Privatdozent Dr. med. Jan Wehkamp (Stuttgart) (© Paul-Martini-Stiftung)

Prof. Dr. med. Stephan Stilgenbauer und Prof. Dr. med. Michael Hallek sind als Internisten an den Universitätskliniken von Ulm bzw. Köln tätig. Ihnen gelang es, die Behandlung der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) wesentlich zu verbessern und erstmals sogar eine Verlängerung des Gesamtüberlebens zu erzielen: Zusätzlich zu einer Chemotherapie erhalten die Patienten auch Infusionen mit Rituximab. Dieser gentechnisch hergestellte monoklonale Antikörper war ursprünglich gegen Non-Hodgkin-Lymphome entwickelt worden; doch erkannten die Preisträger, dass er auch bei der CLL – der häufigsten Form von Leukämie bei Erwachsenen – wirksam ist. Die neue Behandlungsmethode erprobten die Mediziner gemeinsam mit anderen Ärzten der Deutschen CLL Studiengruppe und Kollegen im Ausland. Auch konnten sie molekulare Mechanismen bei der Krankheitsentstehung und in der Entwicklung von Resistenzen beschreiben und zeigen, wie diese überwunden werden können.

PD Dr. med. Jan Wehkamp vom Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus forscht am dortigen Dr. Margarete Fischer-Bosch-Institut für Klinische Pharmakologie über antibiotisch wirksame Moleküle, die der Mensch selbst bildet. Rätsel gab ihm zunächst das von Hautzellen produzierte Beta-Defensin I auf, denn im Labor schien es fast wirkungslos zu sein. Er erkannte jedoch, dass es in sauerstoffarmer Umgebung – etwa auf Schleimhäuten im Körperinneren – auf chemischem Wege „angeschaltet“ wird und dann sehr wohl gegen unterschiedliche Bakterien und schädliche Pilze Wirkung zeigt. Damit legte Wehkamp die Grundlage dafür, Beta-Defensin I oder Varianten davon für medizinische Zwecke zu nutzen.

Die mit dem Paul-Martini-Preis 2012 ausgezeichneten Leistungen basieren auf zwei verschiedenen Herangehensweisen: Im Falle der Leukämie-Therapie konnte für einen Wirkstoff, der zwar schon gegen eine andere Krankheit zugelassen ist, gezeigt werden, dass er auch Patienten mit CLL helfen kann. Für die Entwicklung neuartiger Antibiotika wurden natürliche Stoffe, die im menschlichen Körper vorkommen, als Vorbild für neue Wirkstoffe untersucht. In beiden Fällen ist die biopharmazeutische Forschung die Grundlage für die erzielten bahnbrechenden Erkenntnisse.


Die gemeinnützige Paul-Martini-Stiftung, Berlin, fördert die Arzneimittelforschung sowie die Forschung über Arzneimitteltherapie und intensiviert den wissenschaftlichen Dialog zwischen medizinischen Wissenschaftlern in Universitäten, Krankenhäusern, der forschenden Pharmaindustrie, anderen Forschungseinrichtungen und Vertretern der Gesundheitspolitik und der Behörden. Träger der Stiftung ist der vfa, Berlin, mit seinen derzeit 44 Mitgliedsunternehmen. Die Stiftung ist benannt nach dem herausragenden Bonner Wissenschaftler und Arzt Professor Paul Martini (1889-1964), in Würdigung seiner besonderen Verdienste um die Förderung und Weiterentwicklung der klinisch-therapeutischen Forschung, die er mit seiner 1932 veröffentlichten „Methodenlehre der therapeutischen Untersuchung“ über Jahrzehnte wesentlich geprägt hat.

Die Verleihung fand bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) in Wiesbaden statt. Der mit 25.000 Euro dotierte Preis wird jährlich von der Paul-Martini-Stiftung, Berlin, verliehen.