Infektionen durch Helicobacter pylori gehören zu den häufigsten chronischen bakteriellen Infektionen. Im Schnitt ist weltweit jeder zweite Mensch mit H. pylori infiziert, wobei dieser Prozentsatz in einigen Entwicklungsländern bis zu 90% betragen kann. Umso erstaunlicher ist es, dass insbesondere in den Ländern mit einer extrem hohen Infektionsrate manche Menschen nie von dem Bakterium infiziert werden.


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H. pylori gehört zu den Stäbchenbakterien und ist laut Weltgesundheitsorganisation WHO das bisher einzige Bakterium, das eine Krebserkrankung auslösen kann. Neben Magenschleimhautentzündungen, Geschwüren im Zwölffingerdarm und im Magen ist es nämlich auch als Risikofaktor für die Entstehung von Magenkrebs bekannt. Jährlich wird in Deutschland bei 15.300 Menschen diese Krebsart neu entdeckt, und 10.500 Menschen sterben daran.

Greifswalder Wissenschaftler haben nun gemeinsam mit niederländischen Forschern herausgefunden, dass bestimmte Menschen aufgrund einer Genmutation eine angeborene Immunität gegen H. pylori aufweisen(1) . Die Forschergruppe hat im Rahmen der bevölkerungsbasierten Studie SHIP (Study of health in Pomerania) die Genabschnitte von knapp 11.000 Probanden in Mecklenburg-Vorpommern analysiert. Dabei stießen sie auf eine bestimmte Mutation im TLR1-Gen (Toll like Receptor I), die vor allem in Probanden, die nicht mit H. pylori infiziert waren, zu finden war. Diese Mutation scheint eine bedeutende Rolle für die angeborene Immunität gegen eine Infektion durch H. pylori zu spielen.

Unklar ist bislang noch, ob es das Produkt des TLR1-Gens direkt ist, das über die Bindung an das Bakterium die Infektion verhindert. Dies soll nun in weiteren Forschungsarbeiten untersucht werden, da es die Basis für neue Therapie- oder Impfstoffansätze gegen eine Infektion durch H. pylori darstellen könnte. Bisher erfolgt die Therapie über eine Kombination verschiedener Antibiotika zusammen mit Magensäureblockern. Da das Bakterium allerdings zunehmend Resistenzen gegen die verwendeten Antibiotika aufweist, sind neue therapeutische Optionen erforderlich.

Deutsche Wissenschaftler waren in den vergangenen Jahren ebenfalls maßgeblich daran beteiligt, die molekularen Grundlagen für die Pathogenität von H. pylori zu identifizieren. So fanden beispielsweise Münchner Forscher zusammen mit Kollegen der Universität Lyon heraus, dass das Bakterium einen Giftstoff quasi wie eine molekulare Spritze in die Magenzellen des infizierten Menschen injiziert(2) . Dieser Giftstoff ist ein sogenanntes bakterielles Onkoprotein – also ein krebsauslösendes Protein, das die Entstehung von Magenkrebs verursachen kann. Es handelt sich dabei um das sogenannte CagA-Protein (Cytotoxin-associated gene A), das an einen Integrin-Rezeptor der Wirtszelle bindet und somit die Injektion des pathogenen Proteins steuert. Diese Bindungsstelle könnte ebenfalls ein Angriffspunkt für neue Therapeutika oder auch Impfstoffe gegen H. pylori darstellen.

Diese und weitere Arbeiten zeigen bei der weit verbreiteten Erkrankung durch H. pylori, dass auch hier die Methoden der modernen Molekular- und Gentechnologie essenziell sind, um zum einem die Krankheitsentstehung besser zu verstehen und zum anderen die Grundlage für neue Therapeutika oder auch Impfstoffe zu legen.




Literaturtipps:
(1) Mayerle et al., Identification of genetic loci associated with Helicobacter pylori serologic status, The Journal of the American Medical Association, 2013, Volume 309, pp 1912-1920
(2) Kaplan-Türköz et al., Structural insights into Helicobacter pylori oncoprotein CagA interaction with β1 integrin, PNAS, 2012, doi/10.1073/pnas.1206098109