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Die Bedeutung des deutschen Biotech-Standortes für amerikanische Firmen

Von Dr. Günter Lützenkirchen

Forschung in einem US-LaborDeutschland ist weltweit nach den USA und Japan der drittgrößte Markt für Arzneimittel. Daher sind auch die meisten globalen und multinationalen pharmazeutischen Unternehmen in Deutschland vertreten, auch Firmen, die ihren Hauptsitz in den USA haben. Die Aktivitäten dieser Firmen umfassen z. T. auch Forschung und Entwicklung sowie Produktion, konzentrieren sich jedoch oft auf Marketing- und Vertriebsaktivitäten. Besonders deutlich ist dies bei den großen, etablierten Biotech-Firmen mit amerikanischen Muttergesellschaften ausgeprägt: Nicht eine von Ihnen hat eine Produktionsanlage oder eine große Forschungseinrichtung in Deutschland.

Wenn man sich fragt, warum dies so ist, muss man verschiedene Tatsachen betrachten:

  • Noch immer hat die Biotechnologie in den USA gegenüber der in Deutschland einen enormen Vorsprung. Dort wurde wesentlich früher als in Europa erkannt, dass die Biotechnologie die Zukunftstechnologie schlechthin und damit Wachstums- und Innovationsmotor für die Erforschung und Entwicklung sowie die Produktion von innovativen Arzneimitteln und Therapien ist.
    • In Deutschland war die Haltung gegenüber der Biotechnologie in der Öffentlichkeit und Politik in den ersten Jahren ablehnend gewesen, und auch heute noch sind die Deutschen Neuerungen gegenüber eher skeptisch eingestellt.
      • Der deutsche Arbeitsmarkt ist nach wie vor recht stark reguliert und damit unflexibel.
      Dies sind Faktoren, die Deutschland als Biotech-Standort nicht gerade attraktiv machen. Auch wenn sich in vielen dieser Punkte inzwischen Änderungen abzeichnen, wird es noch Jahre dauern, bis substantielle Verbesserungen erreicht sind.

      In den USA sind viele Biotech-Firmen in der räumlichen Nähe zu Universitäten und Forschungszentren zu finden, die weltweit führend in Innovation und Forschung sind. Hochqualifiziertes Personal sowie Netzwerke stehen hier problemlos und schnell zur Verfügung.

      Es ist allerdings keineswegs so, dass amerikanische Biotech-Firmen in Deutschland überhaupt keine Forschungsaktivitäten haben, sondern es gibt durchaus Kooperationen mit Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen. Weiterhin werden in die meisten großen klinischen Studien auch Zentren in Deutschland einbezogen, auch wenn diese Studien meist von den Headquarters koordiniert werden.

      Das kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass amerikanische Biotech-Unternehmen durchaus mehr Aktivitäten in Forschung, Entwicklung und Produktion in Europa und speziell in Deutschland entfalten und damit weitere Arbeitsplätze schaffen könnten, wenn die Rahmenbedingungen günstiger wären.

      Die aktuelle Gesundheitspolitik ist nicht dazu angetan, das Vertrauen von US-Unternehmen in den Standort Deutschland zu stärken: Zunehmender politischer Druck in Richtung Kostendämpfung im Arzneimittelbereich und schleichende Aushöhlung des Patentschutzes machen es schwierig, Deutschland als innovationsfreundliches Land zu sehen, in dem das geistige Eigentum geschützt und Innovation honoriert wird. Dirigistische Eingriffe wie Herstellerrabatt, Preismoratorium und zentrale Nutzenbewertungen sind nach amerikanischer Auffassung nicht mit marktwirtschaftlichen Konzepten in Einklang zu bringen.

      Statt kurzatmiger Kostendämpfungspolitik sind klare gesundheitspolitische Konzepte gefordert, die Planungssicherheit schaffen und so auch den Biotech-Firmen eine Zukunftsperspektive am Standort Deutschland aufzeigen.


      Dr. Günter Lützenkirchen, Geschäftsführer der Biogen Idec GmbH mit Sitz in Ismaning bei München, ist Stellvertretender Vorsitzender von VFA Bio.

      Stand: 20.04.2006