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Robert-Koch-Preis 2008 für Stammzellforscher

Arbeiten im zellbiologischen LaborDer angesehene Robert-Koch-Preis geht in diesem Jahr an drei Pioniere der Stammzellforschung. Ausgezeichnet werden der Deutsche Hans Schöler, der US-Amerikaner Irving Weissman sowie der Japaner Shinya Yamanaka für ihre herausragenden Arbeiten auf dem Gebiet der Stammzellbiologie, die große Relevanz für die Stammzelltherapie haben.

Seit 1970 wurden insgesamt fast 70 Preisträger mit dem Robert-Koch-Preis ausgezeichnet, davon 17 deutsche Wissenschaftler. Die diesjährigen Preise werden voraussichtlich am 14. November 2008 von der Bundesgesundheitsministerin in Berlin überreicht werden.

Der deutsche Wissenschaftler Schöler zählt zu den renommiertesten Stammzellforschern weltweit. Er leitet seit 2004 als Direktor am Max-Planck-Institut für Molekulare Biomedizin in Münster die Abteilung Zell- und Entwicklungsbiologie. Schöler hat unter anderem einen Weg erarbeitet, bei dem eine Eizelle mit einem genetischen Trick derart verändert werden kann, dass sich aus ihr kein Embryo mehr bilden kann. Dieser Ansatz führt über ein kurzes Stück Ribonukleinsäure mittels der sogenannten RNA-Interferenz zu einem möglichen Ausweg aus dem ethischen Dilemma, dass Embryonen zerstört werden müssen, um humane embryonale Stammzellen zu generieren. Denn wenn sich aus einer Eizelle kein Embryo entwickeln kann, kann dieser auch nicht zerstört werden, während embryonale Stammzellen dennoch gewonnen werden können.

Der US-amerikanische Forscher Weissman ist Direktor am Stanford-Institut für Stammzellbiologie und Regenerative Medizin und außerdem Direktor am Stanford Comprehensive Cancer Center. Weissman ist Experte auf dem Gebiet der Biologie und Evolution von Stammzellen und ihrer Vorläuferzellen. In seinem Labor wurden erstmalig blutbildende Stammzellen aus Mäusen identifiziert und auch isoliert.

Der japanische Wissenschaftler Yamanaka hat als Erster induzierte pluripotente Stammzellen in der Maus herstellen können, und Ende letzten Jahres ist seiner Arbeitsgruppe dieses auch aus Hautzellen des Menschen gelungen. Zellen aus menschlicher Haut wurden dahingehend verändert, dass sie sich anschließend wie embryonale Stammzellen verhielten. Für diesen wissenschaftlichen Durchbruch waren allerdings die parallelen Arbeiten an embryonalen humanen Stammzellen unerlässlich.

Die Bekanntgabe der Auszeichnung der drei Stammzellforscher mit diesem international anerkannten Wissenschaftspreis erfolgt zu einer turbulenten Zeit. Der Deutsche Bundestag will noch im März 2008 festlegen, ob - und wenn ja wie - das derzeit geltende Stammzellgesetz geändert werden soll. Deutsche Wissenschaftler dürfen bislang nämlich nur an solchen humanen embryonalen Stammzellen arbeiten, die vor dem Stichtag 1. Januar 2002 im Ausland hergestellt worden sind. Zudem machen sich deutsche Forscher auch dann strafbar, wenn sie im Ausland oder über internationale Kooperationsprojekte an Arbeiten mit jüngeren Zelllinien beteiligt sind. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft und viele führende deutsche Wissenschaftler plädieren seit geraumer Zeit mit Nachdruck dafür, das deutsche Stammzellgesetz zu novellieren, da die vor dem 1. Januar 2002 hergestellten Stammzellen veraltet und verunreinigt sind und nur wenige der ursprünglichen Stammzelllinien überhaupt noch verfügbar sind. Auch isoliert die Strafandrohung deutsche Wissenschaftler zunehmend.

Es bleibt zu hoffen, dass es tatsächlich in Kürze zu einer Novellierung des deutschen Stammzellgesetzes kommt, um die Isolierung deutscher Wissenschaftler zu beenden und den Zugang zu "state-of-the-art" Stammzellen auch in Deutschland zu ermöglichen - beides ist essentiell für die Nutzung des wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Potenzials dieses und angrenzender Forschungsgebiete. Die Verleihung des Robert-Koch-Wissenschaftspreises unterstreicht die herausragende Bedeutung der Stammzellforschung und setzt damit ein wichtiges Signal auch für den Forschungsstandort Deutschland.