Die Pharma/Biotech-Unternehmen haben im Jahr 2010 ihre F&E-Ausgaben um 6,2 Prozent erhöht und damit ihren ersten Platz als TOP R&D-Investor unter allen Branchen weiter ausgebaut. Diese Branche steht für 19 Prozent der F&E-Ausgaben der untersuchten Firmen. Danach folgen die Branchen Technologie, Hardware und Ausrüstung mit 16,6 Prozent sowie Automobil und Zubehör mit 15,0 Prozent. Zusammen bestreiten diese drei Branchen 51 Prozent der industriellen F&E-Ausgaben.

(© vfa / M. Joppen)
Die Europäische Kommission erstellt seit einigen Jahren jährlich ein EU Industrial R&D Investment Scoreboard. In der jetzt veröffentlichten Ausgabe 2011 (1) werden die F&E-Aktivitäten von insgesamt 1.400 Firmen im Jahr 2010 untersucht: 400 Firmen mit Hauptsitz in der EU - darunter 43 Pharma/Biotech-Unternehmen - und 1.000 Firmen mit Hauptsitz in Drittländern – darunter 103 Pharma/Biotech-Unternehmen.

Nachdem die industriellen F&E-Ausgaben 2009 um 1,9 Prozent zurückgegangen waren, konnten diese 2010 insgesamt um 4 Prozent auf 456 Milliarden Euro gesteigert werden. Mit Blick auf die F&E-Ausgaben der 400 forschungsstärksten Firmen in der EU bzw. der 1.000 forschungsstärksten Firmen in Drittländern stehen Roche und Pfizer 2010 mit jeweils rund 7 Milliarden Euro auf den Plätzen 1 und 2. Danach folgen die Unternehmen US-Merck (Platz 5), Novartis (Platz 8) und Johnson & Johnson (Platz 10).

Mit 15,3 Prozent verzeichnet Pharma/Biotech weltweit die mit Abstand höchste F&E-Intensität. Die Zahl der Beschäftigten im Bereich Pharma/Biotech lag bei 1,551 Mio. (+2,2 Prozent). 56.288 Euro wurden pro Mitarbeiter in F&E investiert. Bei den reinen Biotechfirmen liegt Amgen auf Platz 1, gefolgt von BiogenIdec, Celgene, Gilead, Genzyme und Vertex.

Zu den am schnellsten wachsenden Firmen gehören bezüglich der Umsätze, Beschäftigung sowie F&E die vfa-Mitgliedsfirmen Actelion und MorphoSys mit einem jährlichen Zuwachs bei F&E von 18,4 bzw. 40,6 Prozent über drei Jahre sowie aus Drittländern Genzyme mit 6 Prozent.

Bei den deutschen Firmen liegt Bayer auf Platz 5, gefolgt von Boehringer Ingelheim (14) und Merck (25), wobei Bayer hier der Chemiebranche zugerechnet wurde. Bei den Firmen mit Hauptsitz in der EU belegen Sanofi-Aventis Platz 4, GSK Platz 5, Bayer Platz 8 und AstraZeneca Platz 9, gefolgt von Boehringer Ingelheim (14), Merck (25) und Novo Nordisk (27). Bei den Firmen mit Hauptsitz in Drittländern sieht das Ranking wie folgt aus: Roche (1), Pfizer (2), US-Merck (5), Novartis (7), Johnson & Johnson (9), Lilly (17), Abbott (26), Takeda (27), BMS (28), Amgen (33), Daiichi Sankyo (38), Astellas (40), Eisai (42) sowie Otsuka (50).

Während in der EU der F&E-Zuwachs bei Pharma/Biotech 2010 2,9 Prozent betrug, fiel er in den USA mit 14,1 Prozent wesentlich höher aus; Japan verzeichnete mit -12,5 Prozent dagegen einen deutlichen Rückgang. In den USA trägt Pharma/Biotech 24 Prozent der gesamten F&E-Ausgaben der Industrie, in der EU 16 Prozent und in Japan 11 Prozent.

Insgesamt finden sich unter den weltweit 50 forschungsstärksten Firmen 15 aus der Pharma/Biotech-Branche: Roche (Platz 1), Pfizer (2), US-Merck (5), Novartis (8), Johnson & Johnson (10), Sanofi-Aventis (14), GSK (16), Lilly (24), Bayer (28), AstraZeneca (29), Abbott (37), Takeda (39), BMS (40), Boehringer Ingelheim (45) und Amgen (48). Drei US-Firmen haben bei den F&E-Ausgaben erheblich zugelegt: US-Merck um 47 Prozent, Abbott um 36 Prozent und Pfizer um 21 Prozent. Hier wirken sich auch größere Übernahmen mit aus wie Roche/Genentech, Pfizer/Wyeth und Merck/Schering Plough.

Diese Auswertung zeigt erneut, welch hohen Stellenwert F&E bei Pharma/Biotech-Firmen hat. Ob sich hier weitere Zuwächse in den nächsten Jahren werden realisieren lassen, ist angesichts von Patentausläufen und rigiden Sparmaßnahmen im Arzneimittelbereich zweifelhaft. So hat es 2010 in Deutschland bei den F&E-Ausgaben bereits eine Stagnation gegeben, und die EU ist gegenüber den USA in diesem Bereich weiter zurückgefallen.

(1) The 2011 EU Industrial R&D Investment Scoreboard, Oktober 2011; http://iri.jrc.ec.europa.eu/research/scoreboard_2011.htm