Die Bürger und Bürgerinnen Europas stehen den Biowissenschaften und der Biotechnologie positiv und optimistisch gegenüber. Dies hat eine neue Eurobarometer-Umfrage (1) ergeben, die von der Generaldirektion Forschung der Europäischen Kommission in Auftrag gegeben und von der Generaldirektion Kommunikation koordiniert worden war.

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So rechnen 53 Prozent der Befragten in den nächsten 20 Jahren mit positiven Auswirkungen der Biotechnologie und Gentechnik, während nur 20 Prozent negative Folgen erwarten. Deutlich positiver bewerten die Europäer Computer- und Informationstechnologien (77 Prozent) sowie die Technologien, mit denen eine Verbesserung im Umweltschutz assoziiert wird: Solar- und Windenergie (87 bzw. 84 Prozent). Nur weniger als die Hälfte der Befragten verbindet dagegen positive Effekte mit der Erforschung des Weltraums (47 Prozent), der Nanotechnologie (41 Prozent) und der Kernenergie (39 Prozent).

Von den 53 Prozent der EU-Bürger, die eine positive Einstellung zur Biotechnologie und Gentechnik haben, zeigen sich die Menschen in Estland (77 Prozent), Schweden (72 Prozent) und Finnland (69 Prozent) besonders optimistisch. Deutschland liegt mit 42 Prozent eher am unteren Ende der EU-Länder. Der einzige Mitgliedsstaat, in dem die Zahl der Menschen, die in diesem Technologiebereich negative Auswirkungen erwarten, die Zahl der Optimisten übertrifft, ist Österreich (41 Prozent gegenüber 35 Prozent).

Insbesondere für die medizinischen Anwendungen der Biotechnologie wird – unter der Voraussetzung strenger Vorschriften – eine überwältigende Unterstützung seitens der Bevölkerung deutlich. 63 Prozent der Befragten befürworten die Forschung an embryonalen Stammzellen (2005: 59 Prozent). 69 Prozent sprechen sich unter bestimmten Bedingungen für sonstige Stammzellenforschung aus (2005: 65 Prozent) und 63 Prozent unterstützen die Gentherapie (2005: 54 Prozent). Weitere 15-18 Prozent sind bereit, die genannten Anwendungen unter besonderen Umständen zu akzeptieren.

Die Mehrheit der Europäer (61 Prozent gegenüber 57 Prozent im Jahr 2005) steht gentechnisch veränderten Lebensmitteln weiterhin ablehnend gegenüber. Als Gründe werden Sicherheitsbedenken, keine aus Sicht der Befragten feststellbaren Vorteile und ein allgemeines Unbehagen angeführt. Dagegen sprechen sich 72 Prozent für die Gewinnung von Biokraftstoffen aus Nutzpflanzen und 83 Prozent für die Erzeugung von Biokraftstoffen aus nicht essbaren Rohstoffen aus.

Das Eurobarometer hat zudem erhebliche Wissenslücken aufgedeckt. So haben die Befragten mehrheitlich von einigen in der Umfrage behandelten Gebieten noch nie etwas gehört, wie beispielsweise von Nanotechnologie (55 Prozent), Biobanken (67 Prozent) sowie synthetischer Biologie (83 Prozent).

Die im Februar 2010 durchgeführte Eurobarometer-Umfrage ist die siebte Erhebung dieser Reihe seit 1991 und beruht auf repräsentativen Stichproben in 32 europäischen Ländern mit knapp 27.000 Befragten. Insgesamt kommen die Autoren der Studie zu dem Schluss, dass Innovationen in den Bereichen Biowissenschaften und Biotechnologie von der Bevölkerung generell befürwortet werden, allerdings unter einer angemessenen Aufsicht.

vfa bio – die Interessengruppe Biotechnologie im Verband forschender Pharma-Unternehmen – verdeutlicht kontinuierlich den Nutzen der medizinischen Biotechnologie anhand verständlicher Beispiele, um so mit beizutragen, die Akzeptanz dieser innovativen Technologie in Deutschland weiter zu verbessern. Die medizinische Biotechnologie ist bereits heute von großem Nutzen für die Patienten sowie für die Gesellschaft und hat ein enormes Potenzial für die Behandlung weiterer Krankheiten mit hohem „medical need“.


(1) 1
Eurobarometer Spezial Biotechnologie, Bericht Oktober 2010: http://ec.europa.eu/public_opinion/archives/ebs/ebs_341_de.pdf