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Biotechnologie im Jahr 2030

Genchip: Aktive Gene werden im Computer (im Hintergrund) zu leuchtenden PunktenDas so genannte Cologne Paper wurde Ende Mai 2007 in Köln bei einer hochrangig besetzten Konferenz "En Route to a Knowledge-Based Bio-Economy" vorgestellt, die unter der deutschen EU-Ratspräsidentschaft vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) zusammen mit der Europäischen Kommission ausgerichtet wurde. Das Cologne Paper war im Vorfeld von rund 50 internationalen Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft erarbeitet worden. Die darin aufgezeigten Perspektiven und Visionen im Bereich der Biotechnologie sowie Entwicklungen, Trends und Strategien sollen zu einer erfolgreichen weiteren Entwicklung in diesem Sektor beitragen und eine Basis für die öffentliche Diskussion darstellen.

Das Cologne Paper unterstreicht die ernorme Bedeutung der Biotechnologie für die europäische Wirtschaft in den nächsten zwei Jahrzehnten. Für die Biomedizin werden vor allem neue bildgebende Diagnostikverfahren auf molekularer und zellulärer Ebene, Biochips, genetische Untersuchungen und Biomarker als wegweisend für die Zukunft erachtet. Der Trend gehe eindeutig hin zur individualisierten Medizin, verbunden mit einer früheren Diagnosestellung (inkl. genetischer Prädispositionen). Die therapeutischen Optionen im Jahre 2030 werden fokussiert sein auf:

  • molekulare Ansätze
    • pluripotente Stammzellen inklusive Organogenese
      • Nanobiotechnologie
        • miniaturisierte medizinische Elemente
          • Stimulierung von Gehirnfunktionen
            • neue Impfstoffe zur Prävention und Behandlung von Infektionserkrankungen (HIV, HCV, Malaria) aber auch z.B. von Krebs, Multiple Sklerose und Alzheimer
            Die Experten sind der Ansicht, dass die neuen Therapien im Jahr 2030 effizienter und mit weniger Nebenwirkungen verbunden sowie auf den einzelnen Patienten zugeschnitten sein werden. Als Voraussetzung für die individualisierte Medizin werde die Arzneimittelentwicklung auf dem genotypischen Profil sowie auf Biomarkern basiert sein. Die Rolle der präventiven Medizin werde weiter zunehmen und über kostengünstige frühzeitige Interventionen auch zu Kosteneinsparungen bei den Gesundheitssystemen führen. Wirtschaftlich sagen die Experten voraus, dass sich der biopharmazeutische Markt bis 2030 auf 25% des gesamten Pharmamarktes verdoppeln werde.

            Weitere Bereiche der Biotechnologie, für die eine Roadmap bis 2030 erstellt wurde, umfassen Rahmenbedingungen, Bioprodukte und Bioprozesse, Bioenergie, Essen und Ernährung, neue Konzepte und Technologien. Die Experten haben darüber hinaus auch Hindernisse identifiziert und Empfehlungen zu deren Beseitigung erarbeitet. Diese betreffen vor allem die Akzeptanz in der Öffentlichkeit, Ausbildung und Forschung, Technologietransfer, Finanzierung, Kosten, rechtliche Rahmenbedingungen, Koordinierung aller Anstrengungen, Ressourcen und Nachhaltigkeit.

            Das Cologne Paper ist ein wertvoller Beitrag, um auf die Bedeutung der Biotechnologie für Wohlstand, Wachstum und auch für den Arbeitsmarkt hinzuweisen. Nun müssen die erforderlichen Schritte gemacht werden, damit die skizzierten Visionen auch Realität werden können.