Der aktuelle Biotech-Report zur Lage der medizinischen Biotechnologie in Deutschland, der von The Boston Consulting Group für vfa bio erstellt wurde, liegt vor. Als einziger umfasst dieser jährlich erscheinende Bericht alle Aktivitäten der medizinischen Biotechnologie in Deutschland – in Startups wie in großen Firmen. Neben den wirtschaftlichen Kennzahlen der medizinischen Biotechnologie in Deutschland für das Jahr 2016 steht die Onkologie im Mittelpunkt des diesjährigen Reports.

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Die wichtigsten Wirtschaftsdaten der medizinischen Biotechnologie in Deutschland im Jahr 2016 auf einen Blick:

  • Der Umsatz mit Biopharmazeutika (Apotheken und Klinikmarkt) erhöhte sich gegenüber 2015 um 12,4 % auf rund 9,3 Milliarden Euro. Der Anteil dieses Umsatzes am Gesamtpharmamarkt stieg von 22,9 % auf 24,8 %. Wachstum gab es in fast allen Anwendungsgebieten, insbesondere bei Mitteln gegen Krebs und immunologische (z. B. rheumatische) Erkrankungen.


  • Auch durch die gestiegenen Umsätze konnten die Firmen neue Mitarbeiter einstellen, deren Zahl sich deutlich um 8,1 % auf gut 44.100 erhöhte – ein neuer Rekordstand.


  • 2016 wurden 38 neue Arzneimittel zugelassen – darunter 14 Biopharmazeutika; mit 37 % ist dies der höchste prozentuale Anteil seit der ersten Zulassung eines Biopharmazeutikums. Dies unterstreicht die zunehmende Bedeutung der Biopharmazeutika für die Versorgung.


  • Die Biopharmazeutika-Pipeline ist weiterhin sehr gut gefüllt. Die Zahl der biopharmazeutischen Präparate in der klinischen Entwicklung hat sich binnen Jahresfrist von 627 auf 636 leicht erhöht; Biosimilars machen inzwischen mehr als 25 % der gesamten biopharmazeutischen Phase-III-Pipeline aus. Der Entwicklungsschwerpunkt liegt wie bereits in den Jahren zuvor auf der Onkologie.


  • 2016 gab es in Deutschland 365 Unternehmen in der medizinischen Biotechnologie. 116 davon vermarkten bereits Biopharmazeutika und/oder besitzen eine eigene innovative Produktpipeline, die übrigen 249 tragen z. B. durch Technologieplattformen zur Medikamentenentwicklung bei, ohne selbst eigene Wirkstoffe zu entwickeln.


Im Mittelpunkt der diesjährigen Studie stehen neue biopharmazeutische Therapiekonzepte in der Onkologie.

Insgesamt wurden seit den 1980er Jahren 29 Biopharmazeutika – drei Viertel davon monoklonale Antikörper – mit einer Erstindikation zur Krebsbehandlung zugelassen. Diese sind aus der modernen Krebstherapie nicht mehr wegzudenken. Die Krebsbehandlung basiert heute auf folgenden fünf Säulen: Chirurgie (Stahl), Bestrahlung (Strahl), Chemotherapie, zielgerichtete Therapien und in jüngster Zeit auch immunonkologische Therapien. Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) für Onkologika im ambulanten Bereich lagen in den letzten fünf Jahren im Durchschnitt bei lediglich 11,5 % der gesamten Arzneimittelausgaben bzw. bei nur rund 2,2 % aller GKV-Ausgaben, und das, obwohl Krebs die zweithäufigste Todesursache in Deutschland ist.

Die forschenden Pharma- und Biotech-Firmen investieren weiterhin kontinuierlich und intensiv in die onkologische Forschung und verfolgen dabei auch gänzlich neue Ansätze. Dazu gehören bi- bzw. multispezifische Antikörper, glykomodifizierte Antikörper, Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs), mRNA- und DNA-basierte Ansätze, onkolytische Viren und Zelltherapien. Zwar wird sich auch mit diesen neuen Ansätzen Krebs noch nicht endgültig besiegen lassen, aber sie dürften dazu beitragen, dass Patienten nach ihrer Krebsdiagnose länger leben. Somit entwickelt sich Krebs immer häufiger von einer tödlichen zu einer chronischen Erkrankung.

Um das große Potenzial der medizinischen Biotechnologie in Deutschland zu heben und den medizinischen Fortschritt sicherzustellen, braucht die Branche stabile und förderliche Rahmenbedingungen. Hierzu zählen ein innovationsoffenes und verlässliches Gesundheitssystem, ein weiterer Ausbau der Grundlagenforschung und die damit verbundene effektive Umsetzung von Ideen und Erkenntnissen in Produkte und Dienstleistungen, das Sicherstellen von Investitionen in Forschung, Entwicklung und Produktion am Standort Deutschland sowie ein Fokus auf Value-based Health Care.