Biopharmazeutika der zweiten Generation

Fortschritt wird nicht nur durch gänzlich neuartige Wirkstoffe erzielt. Lohnend ist es auch, vorhandene Wirkstoffe im Lichte neuer Erkenntnisse weiter hinsichtlich ihrer Wirksamkeit, Verträglichkeit oder Anwendungshäufigkeit zu verbessern. Wie viel Nutzen das für Patienten stiften kann, haben mittlerweile eine Reihe von Biopharmazeutika der zweiten Generation bewiesen.

Einige Verbesserungen lassen sich durch Veränderungen am Wirkstoff selbst erzielen. So können Pharmaforscher an das Wirkstoffmolekül auf chemischem Wege noch ein oder mehrere Moleküle Polyethylenglykol (PEG) anhängen. Mit diesen Anhängseln zirkuliert der Wirkstoff länger im Blut, ehe er abgebaut wird. Das erhöht nicht nur seine Wirkdauer, sondern oft auch seine Wirksamkeit. So können 4% bis 27% mehr Patienten von Hepatitis C geheilt werden, wenn sie ein PEG-gekoppeltes Alfa-Interferon statt eines unmodifizierten Alfa-Interferons erhalten. Das belegen Studien mit Patienten, die mit unterschiedlichen Subtypen von Hepatitis-C-Viren infiziert waren.

Filgrastim und PEG-gekoppeltes Filgrastim im Vergleich (© vfa)


Die PEG-Koppelung wirkt sich auch bei Filgrastim positiv aus. Während Krebspatienten während einer Chemotherapie täglich eine Filgrastim-Spritze benötigen, genügt eine einzige Infektion mit PEG-gekoppeltem Filgrastim für einen ganzen Behandlungszyklus. Zugleich tritt die gewünschte Wirkung zuverlässiger ein: das Überwinden eines Mangels an weißen Blutkörperchen (Neutropenie), der anfällig für Infektionen macht.

Für die Zukunft arbeiten forschende Pharma- und Biotech-Unternehmen an weiteren Möglichkeiten, die Wirksamkeit biopharmazeutischer Wirkstoffe weiter zu verbessern. Eine Technik hierzu ist das Glycoengineering. Dabei werden gezielt Veränderungen an den Kohlenhydrat-Anhängen eines rekombinanten Proteins vorgenommen. Dies kann monoklonale Antikörper, die gegen bestimmte Tumore gerichtet sind, beispielsweise dazu befähigen, das Immunsystem intensiver gegen die Krebszellen zu mobilisieren.

Biopharmazeutika der zweiten (oder bereits dritten) Generation bieten also große Chancen, um Patienten eine wirksamere und verträglichere Therapie anzubieten.

Forscher haben festgestellt, dass sich manche Antikörpermoleküle durch Veränderung ihrer Kohlenhydratanhänge (im Bild blau und gelb) wirksamer machen lassen. (© Roche)