Diese aktuelle Studie zur Lage der medizinischen Biotechnologie in Deutschland liegt jetzt vor. Sie wurde von The Boston Consulting Group für vfa bio erstellt. Als einziger erfasst dieser jährlich erscheinende Bericht alle Aktivitäten der medizinischen Biotechnologie in Deutschland – in Startups wie in Großunternehmen.

Der Wirtschaftsteil der Studie belegt, dass die Bedeutung von Biopharmazeutika 2008 in Deutschland weiter zugenommen hat und sich die medizinische Biotechnologie bislang als krisenfest erwiesen hat. Dazu haben 108 kleine und mittelständische Biotech-Unternehmen, mittelständische und große Arzneimittelhersteller sowie deutsche Tochtergesellschaften bedeutender internationaler Pharma- und Biotech-Firmen beigetragen, die Produkte bereits vermarkten und/oder eine eigene innovative Produktpipeline besitzen.

  • Der Umsatz mit Biopharmazeutika konnte 2008 im Vergleich zum Vorjahr um 9 % auf knapp 4,4 Mrd. Euro gesteigert werden und umfasst jetzt 16 % des Gesamtpharmamarktes in Deutschland. Der Gesamtpharmamarkt wuchs im gleichen Jahr nur um 4,5 %.
  • Der Umsatz mit monoklonalen Antikörpern hat sich seit 2004 fast verfünffacht und betrug 2008 1,2 Mrd. Euro. Sie machen damit mittlerweile 28 % des Umsatzes mit Biopharmazeutika aus. Bis Ende 2008 waren 19 monoklonale Antikörper in Deutschland zugelassen.
  • 419 Biopharmazeutika befinden sich in der klinischen Entwicklung; monoklonale Antikörper bilden dabei mit 162 Projekten den Schwerpunkt. Gegenüber 2007 ist die Pipeline um 18 % gewachsen, vor allem in den frühen Phasen I und II.
  • Deutschland ist in Europa weiterhin unangefochten die Nummer eins bei der gentechnischen Produktion von Biopharmazeutika (675.000 Liter Fermenterkapazität) und steht nach den USA auf Platz zwei weltweit.
  • Die Zahl der Mitarbeiter in der medizinischen Biotechnologie blieb 2008 auch in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld praktisch stabil (+1 % im Vergleich zum Vorjahr).


Diese guten wirtschaftlichen Zahlen sind aber kein Grund, sorglos in die Zukunft zu blicken. Denn forschungsintensive Firmen – wie es biopharmazeutisch tätige Unternehmen par excellence sind – müssen immer wieder Standortentscheidungen überprüfen, und dabei spielen die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen eines Landes eine zentrale Rolle. Gerade die Unternehmen der medizinischen Biotechnologie sind aufgrund der langen Entwicklungszeiten für ihre Produkte, der hohen Kosten und hohen Ausfallquoten in einem risikoreichen Geschäftsfeld tätig, das viel Kapital benötigt. Um auch weiterhin Arbeitsplätze und Umsätze der Branche sowie vor allem den Nachschub an Innovationen zum Nutzen für die Patienten zu sichern, ist eine weitere Anpassung der Rahmenbedingungen erforderlich. Neben der Einführung einer steuerlichen Forschungsförderung in Form von „Tax Credits“ sollte das Umfeld für Investoren verbessert werden, da es andernfalls zu großen Problemen bei den für die kleinen Biotech-Unternehmen essenziellen Anschlussfinanzierungen kommen wird.

Der Therapieteil der Studie beleuchtet monoklonale Antikörper, denen innerhalb der Biopharmazeutika eine herausragende Bedeutung zukommt. Mit ihnen wurde bei vielen Krankheiten, die vorher gar nicht oder kaum zu behandeln waren, therapeutisches Neuland betreten. Ihre hohe Spezifität ermöglicht eine große Zielgenauigkeit des Eingriffs in pathologische Prozesse. Ein monoklonaler Antikörper kann zudem mitunter auch Patienten mit verschiedenen Krankheiten helfen, wenn diese auf eine ähnliche molekulare Ursache zurückzuführen sind.

In der Studie wird die Anwendung monoklonaler Antikörper in der Krebstherapie (Non-Hodgkin-Lymphom, Darmkrebs, Melanom), bei seltenen Erkrankungen (Hypereosinophiles Syndrom) und bei weiteren Erkrankungen (Asthma, altersabhängige Makuladegeneration, Infektion mit dem Respiratorischen Syncytialvirus) beschrieben. Sie zeigt auch, durch welche Modifikationen Antikörper für künftige Medikamente in den Pharmalabors noch weiter therapeutisch optimiert werden. Diese Beispiele machen deutlich, wie hochinnovativ die medizinische Biotechnologie ist. Monoklonale Antikörper sind das Ergebnis jahrelanger intensiver Forschung und fungieren in vielerlei Hinsicht als Motor medizinischer Innovationen. Es gilt nun, alles daranzusetzen, das innovative Potenzial der medizinischen Biotechnologie bestmöglich zu nutzen – sowohl im Hinblick auf den Standort Deutschland als auch im Hinblick auf den Nutzen für die Patienten.



Sie können sich den vollständigen Bericht als PDF herunterladen oder als Broschüre kostenfrei bestellen:

vfa-bio.de/vb-publikationen






Stand: 09.06.2009