(© acatech)
Im Hinblick auf die hohe Bedeutung der Biotechnologie als Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts hat die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften acatech die Innovationspotenziale der Biotechnologie für den Standort Deutschland analysiert. Diese Analyse wurde im April 2017 unter dem Titel acatech-Impuls "Innovationspotenziale der Biotechnologie" veröffentlicht.

Zur Erstellung dieser 86-seitigen Analyse wurden von Mai bis Oktober 2016 Interviews mit insgesamt 76 Vertretern aus Wissenschaft und Wirtschaft geführt; auch Repräsentanten von vfa bio-Unternehmen waren darunter. Daraus wurden folgende Schlussfolgerungen gezogen:



  • Auf die Digitalisierung folgt als nächste Revolution die breite Anwendung der Biotechnologie in Medizin, Landwirtschaft und Industrie.
  • Deutschland ist hervorragend im Bereich Wissenschaft und Forschung positioniert, hat aber noch ungehobene Potenziale beim Transfer in Marktprodukte.
  • Die Biotechnologie ist eine High Risk/High Return-Branche und verlangt von allen einen langen Atem. Eine Wirkstoffentwicklung durch Biotech Start-ups benötigt bessere Rahmenbedingungen. Dazu gehören: ein öffentliches politisches Bekenntnis zu den Chancen der Biotechnologie, eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für die öffentliche Finanzierung der Validierung von Forschungsergebnissen und die Bereitstellung privaten Wagniskapitals sowie eine belastbare Datenbasis zur Nutzung und Kostenbewertung neuer Therapien über die gesamte Krankheitsdauer bzw. Lebensdauer der Patienten (u.a. pay by performance-Modelle).
  • Anpassung der Ausbildungs- und Studienangebote an die neuen biotechnologischen Forschungs- und Wirtschaftsfelder sowie Förderung der Akzeptanz biotechnologischer Innovationen durch Verdeutlichung des Nutzens für die Gesellschaft.


In ihrer Analyse verweist acatech insbesondere auf die großen Potenziale der Omics-Technologien, der Companion Diagnostics, von Genome Editing/CRISPR-Cas/Gentherapie, von Krebsimmuntherapien, induzierten Stammzellen und synthetischer Biotechnologie. Hier spielt Deutschland bei der Forschung vorne mit. Dies gilt nicht für die wirtschaftliche Verwertung der grünen Biotechnologie; bei der weißen und insbesondere der roten Biotechnologie werden aber hohe Wertschöpfungspotenziale und bei letzterer auch ein besonders großer gesellschaftlicher Nutzen gesehen.

Beim Forschungsgipfel des Stifterverbands, der nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und der Expertenkommission für Forschung und Innovation der Bundesregierung EFI am 28. März 2017 sprach sich Kanzleramtsminister Peter Altmaier unter Bezug auf die Analyse von acatech für das Aufstellen einer nationalen Biotechnologie-Agenda analog zur Digitalen Agenda der Bundesregierung aus.

Eine solche Agenda könnte dabei helfen, den auch in den jährlichen Biotech-Reports von The Boston Consulting Group und vfa bio angemahnten Verbesserungen der Rahmenbedingungen für die medizinische Biotechnologie in Deutschland mehr Nachdruck zu verleihen.