Hepatitis-C-Virus
(Grafik: © medicalpicture)
Die chronische Hepatitis C, eine der Hauptursachen für Leberkrebs, wird durch verbesserte Arzneimittel für immer mehr Infizierte zu einer heilbaren Erkrankung. Dies belegen zwei klinische Studien.
Schätzungsweise 500.000 bis 700.000 Deutsche sind mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) infiziert und haben eine chronische Leberentzündung. Nur knapp ein Drittel der Erkrankten weiß von der Infektion. Und nicht einmal jeder Zehnte wird medizinisch behandelt, denn zumeist verläuft die chronische Hepatitis C weitgehend beschwerdefrei. Aber im Laufe von Jahrzehnten entwickelt sich bei 20 bis 30 Prozent der Infizierten eine Leberzirrhose, die zu einer Beeinträchtigung der Leberleistung und bei 5 bis 15 Prozent schließlich sogar zu Leberkrebs führt.
Im Jahr 1988 hatte man begonnen, die chronische Hepatitis C mit Interferonen zu therapieren. Anfänglich gelang es nur bei etwa zehn Prozent aller behandelten Patienten, das Virus so weit zurückzudrängen, dass es im Blut auch sechs Monate nach der Therapie nicht mehr nachweisbar war (so wurde eine erfolgreiche Behandlung definiert). Noch 1996 lag diese Erfolgsquote deutlich unter 20 Prozent.
Mit Einführung einer Kombinationstherapie aus Interferon und Ribavirin, einem bereits seit den 70er Jahren verfügbaren Virustatikum, gelang im Jahr 1998 ein erster entscheidender Durchbruch: Die Ausheilungsrate konnte drastisch gesteigert werden; beim Hepatitis-C-Erreger Typ 1 erreichte sie etwa ein Drittel, bei anderen Erregertypen bald weit mehr als die Hälfte.
Seit dem Jahr 2000 steht die neueste Generation von Medikamenten zur Verfügung, die einen weiteren bedeutenden Fortschritt bei den Heilungsraten ermöglicht: so genanntes pegylierte Interferone, kurz Peginterferone. Die Kombinationstherapie mit einem Peginterferon und Ribavirin steigerte die Erfolgsquote für die Therapie der chronischen Hepatitis C noch einmal erheblich.
In zwei großen klinischen Studien wurden zwei verschiedene Peginterferone (alfa 2a und alfa 2b) in Kombination mit Ribavirin geprüft; dabei erhielten die Patienten einer Vergleichsgruppe jeweils herkömmliches Interferon alfa plus Ribavirin.
Bei der Therapie mit Peginterferon alfa 2a stieg die Heilungsrate beim Erregertyp 1 um 10 Prozent und bei den Erregertypen 2 und 3 um 15 Prozent. Die neue Therapie führte damit bei 46 Prozent der Patienten mit einer Typ-1-Infektion und bei 76 Prozent der Typ-2/3-Infizierten zur Heilung.
Die Daten beruhen auf der Behandlung von 897 Patienten.
In der Studie mit Peginterferon alfa 2b wurde eine um 9 Prozent gesteigerte Heilungsrate beim Erregertyp 1 ermittelt, bei den Erregertypen 2 und 3 eine Steigerung um nur 3 Prozent. Bemerkenswert hierbei ist jedoch, dass in dieser Patientengruppe bei nun bereits 82 Prozent die Ausheilung der chronischen Hepatitis gelang.
Die angegebenen Daten resultieren aus der Behandlung von 1016 Patienten.
Pharmazeutisch basiert dieser Fortschritt auf einer Molekülvariation des Interferons: Die Kopplung des Interferons mit Polyethylenglykol, abgekürzt PEG, verleiht diesem einen Schutz vor dem raschen Abbau und ermöglicht dadurch länger anhaltende und konstantere Wirkstoffspiegel im Körper. Zum Vorteil der wesentlich besseren und längeren Wirkung kommt noch die einfachere Anwendung. Die Peginterferone stellen damit ein klassisches Beispiel für medizinischen Fortschritt durch Analogpräparate dar, bei denen ein bekanntes Wirkprinzip aufgegriffen und zum Nutzen der Patienten weiterentwickelt wird.
Fried, et al.: Peginterferon Alfa-2a plus Ribavirin for Chronic Hepatitis C Virus Infection (Abstract)
Manns, et al.: Peginterferon alfa-2b plus ribavirin compared with interferon alfa-2b plus ribavirin for initial treatment of chronic hepatitis C: a randomised trial. (Abstract, U.S. National Center for Biotechnology Information)