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5. September 2008

Ein neuer Ansatz gegen Hepatitis B

 
Eine neu entdeckte Substanz hat Mäuse erfolgreich vor einer Infektion mit dem Hepatitis B-Virus geschützt, wie Wissenschaftler der deutschen Universitätskliniken Heidelberg und Hamburg-Eppendorf zeigen konnten. Dieser neue Ansatz ist auf das Wissen über die molekulare Struktur der Virushülle zurückzuführen: Er basiert auf der Identifizierung eines bestimmten Eiweißbestandteils, mit dessen Hilfe das Hepatitis B-Virus an Leberzellen bindet und ein Eindringen in die Zellen ermöglicht.

Schematische Darstellung des Hepatitis-Erregers (© Novartis Behring)


Die Forscher haben zunächst dieses spezifische Eiweiß (Peptid) im Reagenzglas nachgebaut. In Zellkulturversuchen konnten sie in entsprechenden Bindungsstudien zeigen, dass in Anwesenheit dieses Peptids die Aufnahme von Hepatitis B-Viren in die Leberzellen verhindert werden konnte. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die viralen Bindungsstellen auf der Oberfläche der Leberzellen von dem Peptid blockiert wurden, so dass die Hepatitis B-Viren mangels freier Bindungsstellen nicht in die Leberzellen gelangen konnten. Es handelt sich also um eine erfolgreiche Virusblockade. Im nächsten Schritt haben die Forscher dann diese Reagenzglasexperimente in Mäusen überprüft, wobei sich keines der behandelten Tiere mit Hepatitis B infiziert hat.

Weltweit sind ca. 350-400 Millionen Menschen chronisch mit Hepatitis B infiziert. Jährlich stirbt 1 Million von ihnen an den Folgen der Infektion wie Leberzirrhose oder Leberkrebs. Das Virus selbst wird durch den Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen, wobei sich in den Industriestaaten vor allem Erwachsene anstecken, z. B. über ungeschützte Sexualkontakte oder auch die Benutzung von unsauberem Spritzenbesteck bei Drogenabhängigen. In 90-95% der Infektionsfälle heilt die Erkrankung von selbst aus. Ist nach einem halben Jahr keine Heilung eingetreten, spricht man von einer chronischen Hepatitis. Allein in Deutschland leiden daran mehr als 500.000 Menschen. Die zur Verfügung stehenden Arzneimittel zur Behandlung der chronischen Hepatitis B wirken im Allgemeinen nicht kurativ, d. h. eine vollständige Heilung ist in der Regel nicht zu erwarten. Therapieziel ist es, den Verlauf der chronischen Hepatitis B-Erkrankung abzuschwächen und vor allem auch das Risiko der Spätfolgen zu senken. Auch eine Impfung gegen das Hepatitis B-Virus ist verfügbar. Der Hepatitis B-Impfstoff gilt als einer der ersten großen Erfolge auf dem Gebiet der gentechnischen Impfstoffforschung und ist schon seit 1986 verfügbar. Der Impfstoff wirkt präventiv; bei einer bereits erfolgten Infektion oder einem chronischen Verlauf ist er nicht mehr wirksam.

Die Blockade der Hepatitis B-Viren über Peptide könnte das Impfrepertoire gegen eine Infektion mit Hepatitis B erweitern. Darüber hinaus haben die Wissenschaftler auch Indizien dafür, dass das Virushüllenpeptid in Kombination mit bereits verfügbaren Medikamenten zur Therapie der chronischen Hepatitis B zu verbesserten Ansprechraten der infizierten Patienten führen könnte. Dass verschiedene Substanzklassen mit unterschiedlichen Angriffspunkten gegen ein Virus zum Einsatz kommen und in Kombination den therapeutischen Erfolg erhöhen, kennt man beispielsweise auch aus der Behandlung von HIV-/AIDS-Patienten. Ein kombinatorischer Ansatz könnte demnach möglicherweise ebenso einen zusätzlichen Nutzen für Patienten mit chronischer Hepatitis B bedeuten.

Die Forscher der deutschen Universitätskliniken erachten ihr Kooperationsprojekt als Beispiel für eine gelungene translationale Forschung von reiner Grundlagenforschung hin zu einem möglicherweise neuen therapeutischen Ansatz. Weitere Studien sind natürlich vor der Erstanwendung am Menschen erforderlich. Ein Teil dieser Aktivitäten wird im Rahmen des Kompetenznetzes Hepatitis (Hep-Net) und des Förderprogramms „Innovative Therapieverfahren auf molekularer und zellulärer Basis“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt.
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