Seit März 2014 verbreitet sich das Ebolavirus in einem bisher nicht gekannten Ausmaß in Afrika. Im Januar 2015 listete die WHO über 21.000 Krankheitsfälle seit dem Ausbruch der Epidemie; davon starben über 8.400 Patienten. Wegen der unzureichenden Laborkapazitäten und Infrastruktur in den betroffenen Ländern geht die WHO jedoch von einer sehr hohen Dunkelziffer aus.(1)

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Einer Studie des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin in Hamburg zufolge ist anzunehmen, dass die Ausbreitung der Krankheit bereits im Dezember 2013 begann. Gegen die Virusinfektion Ebola gibt es bisher weder zugelassene Impfstoffe noch Mittel zur Behandlung. Aber an einer Reihe solcher Medikamente und Impfstoffe wird schon seit einigen Jahren gearbeitet. Auf diesem Gebiet sind auch die forschenden Pharma- und Biotech-Unternehmen aktiv.

Das Ebolavirus gehört zur Gruppe der RNA-Viren, deren Erbgut als einzelner RNA-Strang vorliegt. Das Virus muss deshalb, da es fast ausschließlich Säugetiere als Wirt befällt, ein eigenes Enzym zur Vervielfältigung „mitbringen“ - eine sogenannte RNA-abhängige RNA-Polymerase, da Säugern dieses Enzym fehlt. Nach dem Eindringen in die Wirtszelle wird durch diese Polymerase über einen Zwischenschritt eine Kopie des viralen Genoms gebildet, von der schließlich die zur Virusvermehrung nötigen Moleküle abgelesen werden können. Dafür ist das Virus in der Lage, auf bestimmte Strukturen der Wirtszelle zuzugreifen.

Die Abhängigkeit des Ebolavirus von der eigenen RNA-Polymerase will sich einer von mehreren Arzneimittelkandidaten gegen Ebola nun zu Nutze machen. Bei dem Präparat handelt es sich um einen künstlichen RNA-Baustein, der bei Einbau in den wachsenden viralen RNA-Strang dazu führt, dass dessen weiterer Aufbau abbricht. Alle weiteren RNA-Bausteine können dann nämlich keine Verbindung zu dem eingebauten Analogon mehr eingehen. Dadurch wird die Replikation des Virus verhindert und die Infektion gestoppt.

Das Mittel ist in Japan bereits gegen Grippeviren zugelassen. Dabei wird der falsche Baustein nur von der RNA-abhängigen RNA-Polymerase des Virus erkannt und von den wirtseigenen RNA-Polymerasen ignoriert. Da es sich bei der viralen RNA-Polymerase eben nicht um ein körpereigenes Enzym handelt, könnte dieser Ansatz auch die Nebenwirkungen in Grenzen halten.(2)

Ein weiterer Arzneimittelkandidat gegen Ebola setzt auf den Einsatz sogenannter „small interfering RNAs“ (siRNAs). Das sind kurze RNA-Bruchstücke, die zwar keine proteinkodierende Information tragen, aber über die Bindung an mRNA-Moleküle die virale Proteinbildung stören können. So unterbrechen sie ebenfalls den Vermehrungszyklus des Virus im infizierten Patienten.(3)

Die beschriebenen Arzneimittelkandidaten könnten sogar auch wirksam sein bei Patienten, die bereits typische Ebola-Krankheitssymptome zeigen. So konnten in Tierversuchen erkrankte Tiere geheilt werden.

Momentan werden einzelne Bürger der westafrikanischen Länder präventiv mit Blutseren geimpft, die von Menschen stammen, die eine Ebolainfektion überstanden haben. Die im Blut dieser Menschen enthaltenen Antikörper sollen eine Ansteckung und weitere Ausbreitung des Virus verhindern.

Darüber hinaus werden gegenwärtig viele weitere Ansätze zur Therapie von Ebola, sowie eine Reihe von Impfstoffen zur Prävention einer Ansteckung erforscht.(4) Die Impfstoffentwicklung gegen Ebola wird seit Ende 2014 durch ein mit 280 Mio Euro dotiertes Förderprogramm im Rahmen der Innovative Medicines Initiative (IMI) unterstützt. IMI ist eine Public-Private Partnership der Europäischen Kommission und der europäischen Pharmaindustrie, vertreten durch den europäischen Pharmaverband EFPIA, bei der zusammen mit Akademia und kleinen sowie mittelständischen Firmen Forschungsprojekte angegangen werden.

Arzneimittel und Impfstoffe werden im Kampf gegen Ebola dringend benötigt. Wenngleich die Zahl der Neuerkrankungen in den hauptsächlich betroffenen Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone inzwischen rückläufig ist, sind neue Virusausbrüche in der Zukunft zu befürchten.

Für die Ebolaforschung sind moderne molekularbiologische Methoden unerlässlich. Diese haben bereits zu einem deutlich besseren Verständnis des Lebenszyklus des Virus geführt und sind zudem Grundlage für die Entwicklung therapeutischer und präventiver Ansätze gegen das Virus.


Literaturtipps:
(1) WHO: Ebola Response Roadmap Situation Report
(2) Kathrin Zinkant, Sabotage am Ebola-Virus, Süddeutsche Zeitung, 27.08.2014, Auflage 497233, Seite 14
(3) Thomas Müller, RNA-Therapie: neuer Ansatz gegen Ebola, Ärzte Zeitung, 22.08.2014, Auflage 49338, Seite 8
(4) Ebola: Impfstoffe und therapeutische Medikamente in Entwicklung, http://www.vfa.de/de/arzneimittel-forschung/woran-wir-forschen/ebola-medikamente