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13. Oktober 2008

Medizinnobelpreis für Pionierleistungen in der Virologie

 
Der Nobelpreis für Physiologie oder Medizin – kurz Medizinnobelpreis – geht 2008 an einen deutschen sowie zwei französische Virologen: Harald zur Hausen bekommt den Preis für die Entdeckung, dass bestimmte Viren Gebärmutterhalskrebs auslösen können, und Françoise Barré-Sinoussi sowie Luc Montagnier erhalten ihn für die Identifizierung des AIDS-Erregers, des humanen Immunschwächevirus (HIV).

Zeichnung des HP-Virus (human papilloma virus); © GlaxoSmithKline
Zur Hausen hat bereits in den 70er-Jahren postuliert, dass – entgegen der damals vorherrschenden Meinung – humane Papillomviren (HPV) Gebärmutterhalskrebs verursachen können. Die ersten Schritte auf dem Weg zum Nobelpreis hat zur Hausen bereits während seines Studiums auf der Grundlage der Beobachtung von Bakteriophagen gemacht – also von Viren, die ausschließlich bestimmte Bakterien angreifen, in den von ihnen befallenen Zellen verbleiben und deren Eigenschaften verändern können. In den 60er-Jahren fand er in epidemiologischen Untersuchungen größerer Bevölkerungsgruppen Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang zwischen Papillomviren und nachfolgenden Gebärmutterhalstumoren.

Zur Hausen gelang der entscheidende Durchbruch im Jahr 1983, als er in Gewebeproben von Frauen mit Gebärmutterhalskrebs das Erbgut eines bis dahin nicht bekannten HPV-Typs (HPV-Typ 16) fand und wenig später zusätzlich den HPV-Typ 18 identifizierte. Diese beiden HPV-Typen sind für rund 70% der Gebärmutterhalstumore verantwortlich. Zur Hausen hat laut Nobel-Komitee nicht nur die krebsauslösenden Papillomviren erstmalig beschrieben, sondern auch wesentlich zum molekularen Verständnis der Tumorentstehung im Gebärmutterhals beigetragen. Letztendlich hat er damit auch die entscheidende Basis für die Entwicklung der mittlerweile in vielen Ländern verfügbaren ersten beiden Impfstoffe zum Schutz vor Gebärmutterhalskrebs gelegt. An Gebärmutterhalskrebs erkranken in Deutschland jährlich zwischen 6.000 und 7.000 Frauen, ca. 1.700 bis 1.800 sterben jährlich an den Folgen dieser Krankheit. Damit ist sie die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache junger Frauen.

Der 1936 in Gelsenkirchen geborene zur Hausen hat Biologie und Medizin studiert und sich 1969 in Würzburg im Fach Virologie habilitiert. Von 1983 bis 2003 leitete er das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Auch heute noch ist er weiterhin ein aktiver Tumorforscher und auf der Suche nach der Rolle von Viren bei anderen Krebsarten wie beispielsweise dem Brustkrebs. Außerdem ist zur Hausen Chefredakteur der renommierten Fachzeitschrift „International Journal of Cancer“.

Die zweite Hälfte des Medizinnobelpreises 2008 geht an Françoise Barré-Sinoussi vom Institut Pasteur in Paris und Luc Montagnier, der 1992 die Abteilung für virale Onkologie am Institut Pasteur gegründet hatte und heute die Weltstiftung für AIDS-Forschung und -Prävention in Paris leitet. Francoise Barré-Sinoussi und Luc Montagnier gelang es 1983, den AIDS-Erreger zu isolieren und zu charakterisieren – nur kurze Zeit, nachdem Anfang der 80er-Jahre in den Metropolen der USA eine bis dato unbekannte Immunschwächekrankheit vermehrt aufgetreten war. Die beiden Virologen entnahmen damals aus angeschwollenen Lymphknoten eines an AIDS erkrankten Patienten Immunzellen, in denen sie neuartige Retroviren identifizieren konnten, die seit 1985 HIV genannt werden. Ihre Entdeckung ist die Grundlage für die Diagnostika und Medikamente, die heute gegen HIV/AIDS verfügbar sind.

Auch Chemienobelpreis bezeichnend für Bedeutung der Molekularbiologie


Der Preis geht an einen japanischen und zwei amerikanische Forscher für die Entdeckung des grün fluoreszierenden Proteins (GFP) und dessen Weiterentwicklung zu einem heute unverzichtbaren Werkzeug in vielen biologischen – vor allem zellbiologischen und molekularbiologischen – Disziplinen. Der japanische Forscher Osomu Shimomura hat das GFP Anfang der 60er-Jahre in einer Qualle entdeckt und gezeigt, dass es bei Anregung mit ultraviolettem Licht grün fluoresziert. Der US-Amerikaner Martin Chalfie legte die Basis für die gentechnische Fusionierung von GFP mit anderen Proteinen, deren räumliche und zeitliche Verteilung somit in Zellen, Geweben und Organismen über die grüne Fluoreszenz verfolgt werden kann. Der US-Amerikaner Roger Tsien identifizierte wesentliche Details des Fluoreszenzmechanismus von GFP und entwickelte auf dieser Basis neue, in anderen Farben fluoreszierende Varianten.

Molekularbiologie und Gentechnik spielten für die bahnbrechenden Erkenntnisse dieser Nobelpreise eine entscheidende Rolle. Während das GFP aus den Laboratorien heutzutage gar nicht mehr wegzudenken ist, haben die virologischen Erkenntnisse über HPV und HIV die Grundlage zur mittlerweile verfügbaren Impfung zum Schutz vor Gebärmutterhalskrebs bzw. zu AIDS-Diagnostika und -Therapeutika gelegt. Die jeweils mit 1 Million Euro dotierten Nobelpreise werden am 10. Dezember 2008, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel, in Stockholm vom schwedischen König Carl Gustav verliehen.
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