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22. Februar 2007

Die Bedeutung von Biomarkern für die Arzneimittelentwicklung

 
Untersuchung von Proteinen durch Elektrophorese
Die forschenden Arzneimittelhersteller sind auf dem Gebiet der Biomarkerforschung sehr aktiv, um durch die Ermittlung aussagekräftiger Biomarker innovative Arzneimittel künftig schneller entwickeln und den betroffenen Patienten früher zur Verfügung stellen zu können.

Unter einem Biomarker versteht man einen objektiv messbaren und auswertbaren Indikator, der Auskunft über einen normalen biologischen Prozess, einen pathologischen Prozess oder aber auch über den Verlauf einer therapeutischen Maßnahme gibt. Im weitesten Sinne umfasst der Begriff Biomarker also sowohl diagnostische Tests, bildgebende Verfahren sowie alle weiteren objektiv messbaren Parameter. So entscheidet zum Beispiel die Anzahl spezifischer Rezeptoren an der Oberfläche von Brustkrebszellen darüber, ob ein bestimmtes Biopharmazeutikum zur Behandlung des Brustkrebs in Frage kommt oder nicht. Und die individuelle Ausstattung mit Genen für bestimmte medikamentenabbauende Leberenzyme ist bei bestimmten Arzneimitteln für die Wahl der geeigneten Dosierung sehr wichtig.

Biomarker haben für die Erforschung, Entwicklung und Anwendung von Medikamenten eine sehr große Bedeutung, da mit ihrer Hilfe Tierversuche eingespart und Studien an Probranden und Patienten schneller und kostengünstiger durchgeführt werden könnten. Biotechnologischem Wissen, biotechnologischen Methoden und biotechnologischen Unternehmen kommt bei der Biomarker-Erforschung eine ganz entscheidende Bedeutung zu. Forschungsaktivitäten in der Genomik (Erforschung des Erbgutes) und Proteomik (Erforschung der Eiweiße) - beides Bereiche, in denen Deutschland sehr aktiv und international renommiert tätig ist - sind eine wichtige Grundlage für die Ermittlung neuer molekularer Arzneimitteltargets sowie neuer Biomarker.

Einige Biomarker werden schon heute in der präklinischen Forschung eingesetzt, zum Beispiel in Studien zum grundsätzlichen Nachweis der Wirksamkeit eines Wirkstoffs ("Proof of Concept-Studien") im Tier, aber auch in Phase I-Studien am Menschen. Biomarker sind darüber hinaus hinsichtlich ihrer diagnostischen sowie prognostischen Aussagekraft relevant, und werden auch bereits für die Therapieverlaufskontrolle verwendet. In späteren klinischen Studien (späte Phase II- und Phase III-Studien) findet man Biomarker als so genannte Surrogat-Endpunkte - hier ersetzen sie einen "harten" klinischen Endpunkt. Beim Bluthochdruck ist beispielsweise die Blutdrucksenkung ein Surrogatparameter, während ein harter klinischer Endpunkt die Verminderung von Schlaganfällen oder Herzinfarkten ist, die aber nur durch langjährige Studien mit vielen Tausend Patienten zu ermitteln ist.

Darüber hinaus werden Ärzte im Rahmen der individualisierten Medizin voraussichtlich in einigen Jahren in der Lage sein, auf Grund genetischer Biomarker die Wirksamkeit und/oder Verträglichkeit eines Arzneimittels bei einzelnen Patientengruppen präziser voraussagen zu können und daraus abzuleiten, welches Präparat sie bestimmten Patienten in welcher Dosierung verordnen und welches sie vermeiden sollten. Neben dem therapeutischen Nutzen für den Patienten besteht auch die Hoffnung, dass mit Hilfe von Biomarkern klinische Prüfungen in Zukunft verkürzt und gezielt an kleineren Patientengruppen durchgeführt werden können. Insgesamt könnte dadurch auch die Erfolgswahrscheinlichkeit von Prüfarzneimitteln entscheidend verbessert werden.

Für die Biomarkerforschung sollten in jedem Fall einige Rahmenbedingungen berücksichtigt werden, wie beispielsweise, dass Biomarkeraktivitäten sehr früh in die Entwicklung von Medikamenten integriert sowie geeignete Kandidaten rechtzeitig validiert werden müssen. Außerdem ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Diagnostik einerseits und Therapie andererseits in allen Arzneimittelentwicklungsstadien erforderlich.

Die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA hat in ihrer "Critical Path Initiative" mit der Vorlage einer Prioritätenliste konkrete Projekte gestartet, um die Arzneimittelentwicklung zu beschleunigen und effizienter zu gestalten bzw. innovative Ansätze in der Grundlagenforschung schneller in marktreife Arzneimittel und Therapien umzusetzen. Zu den von der FDA benannten Forschungsprioritäten gehört insbesondere auch die Erforschung relevanter Biomarker.

Das europäische Pendant - die vom europäischen Pharmaverband EFPIA betriebene "Innovative Medicines Initiative", die mit dem 7. EU-Forschungsrahmenprogramm umgesetzt werden soll - verfolgt die gleiche Zielrichtung, nämlich die Umkehrung des Trends steigender Forschungsausgaben und stagnierendem Output an Zulassungen für innovative Medikamente.
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