Dieses arabische Sprichwort wird in letzter Zeit häufiger verwendet, wenn von einem gleichermaßen alten wie neuen Ansatz zur Bekämpfung von Bakterien die Rede ist. Es geht um die Therapie bakterieller Infektionen mit Hilfe der sogenannten Bakteriophagen.
3-D-Illustration von Bakteriophagen beim Andocken an eine spezifische Wirtszelle. (© medicalpicture)
Erstmalig wurden Bakteriophagen Anfang des 20. Jahrhunderts von dem Kanadier Félix Hubert d’Hérelle beschrieben. Parallel zu ihm postulierte damals auch der deutsche Mikrobiologe Philalethes Kuhn die Existenz von Bakterienparasiten unter bestimmten Kulturbedingungen. D’Hérelle gründete in den 30er-Jahren in Georgien das Eliava-Institut für Phagenforschung, welches sich auch heute noch der Therapie bakterieller Infektionen mittels Bakteriophagen widmet.
Bakteriophagen sind Viren, die ausschließlich bestimmte Bakterien angreifen - menschliche und tierische Zellen hingegen unbeschadet lassen. Sie vernichten zielgerichtet und hoch spezifisch Bakterien; darunter auch solche, die als Krankheitserreger schwere Infektionen beim Menschen auslösen können.
Der Name Bakteriophage kommt aus dem Griechischen und steht für „Bakterienfresser“ (von griechisch phagein = fressen).
In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg wurden Bakteriophagen erstmals zur Therapie bestimmter Erkrankungen wie Ruhr und Cholera eingesetzt. Militärärzte interessierten sich zudem für die Behandlung von Wundinfektionen mittels Bakteriophagen. Mit der Einführung der ersten Antibiotika wie Streptomycin und Penicillin in den 40er-Jahren des 20. Jahrhunderts geriet die Therapie mit Bakteriophagen in den westlichen Ländern zunehmend in Vergessenheit. In den Ländern der ehemaligen Sowjetunion und in Osteuropa hat dieser therapeutische Ansatz allerdings überdauert.
Die Therapie mit Bakteriophagen drohte in den westlichen Ländern zuletzt in Vergessenheit zu geraten, doch in den vergangenen Jahren haben sich einige Pharmaunternehmen und Arbeitsgruppen erneut den Bakteriophagen gewidmet. So werden beispielsweise von britischen und US-amerikanischen Firmen aber auch von deutschen Kliniken Studien zur Behandlung von Patienten mit chronischen Ohrentzündungen oder zur Behandlung bakterieller Wundinfektionen mit sogenannten MRSA-Keimen (Methicillin-resistente Staphylokokken) durchgeführt. Darüberhinaus wird mit Bakteriophagen imprägniertes Verbandmaterial sowie der Einsatz von Bakteriophagen zur Sterilisation medizinischer Instrumente, aber auch zur Konservierung von Lebensmitteln und in der Veterinärmedizin geprüft.
In der Medizin ist die genaue Bestimmung des Infektionskeimes Voraussetzung für einen Therapieerfolg mit Bakteriophagen, da diese hoch spezialisiert auf ihre jeweiligen Wirte sind. Es müssen also die exakt zu den Bakterien passenden Phagen zum Einsatz kommen. Einige Forschergruppen arbeiten heute zudem daran, die Verweildauer der Bakteriophagen im menschlichen Körper zu erhöhen. Hierzu verändern sie diese chemisch mit Polyethylen-Glykol (PEG) und maskieren sie damit auch gleichzeitig. Letzteres soll eine Erkennung der körperfremden Phagen durch das menschliche Immunsystem und deren sofortige Eliminierung verhindern. An diesen molekularbiologischen Schaltstellen ist allerdings noch viel Grundlagenforschung erforderlich, bevor Bakteriophagen in Zukunft möglicherweise eine Ergänzung zu bereits verfügbaren Antibiotika darstellen.
Dem Motto „Der Feind meines Feindes ist mein Freund“ folgt auch die Erkenntnis über ein bisher unbekanntes Virus, das spezifisch die Malaria-Mücke infiziert. Dieses neue Virus wurde zufällig am Johns Hopkins Malaria Research Institute in Baltimore/USA entdeckt [
1], als Forscher bestimmte Bakterien auf ihr Potenzial untersuchten, die Malaria-Mücke zu infizieren. Das neu entdeckte Virus erwies sich als hoch-infektiös für Moskitolarven und wurde auch an die erwachsenen Mücken weitergegeben. Denkbare Ansätze im Kampf gegen Malaria wären nunmehr, das Virus so zu verändern, dass es die Moskitos abtötet, bevor diese die Malariaerreger, die Plasmodien, auf den Menschen übertragen können, oder das Virus direkt gegen die Plasmodien in den Moskitos einzusetzen.
Die beschriebenen Ansätze und ihre Translation bis hin zur möglichen Anwendung am Menschen sind ohne die zugrunde liegenden molekularbiologischen Forschungsarbeiten undenkbar. Sollten sich die beiden aufgezeigten Ansätze in der weiteren Entwicklung bewähren, könnten neue therapeutische Optionen zur Behandlung bakterieller Infektionen sowie neue Ansätze im Kampf gegen Malaria in Zukunft zum Nutzen für die betroffenen Menschen das verfügbare therapeutische bzw. präventive Repertoire ergänzen.
Literaturtipp:
1 Ren et al., Viral Paratransgenesis in the Malaria Vector Anopheles gambiae, PLoS Pathogens, www.plospathogens.org, August 2008, Volume 4, e1000135