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Paul-Martini-Preis 2010


13. April 2010

Alarmsysteme des angeborenen Immunsystems bieten Ansatzpunkte für neue Medikamente

 
Erkenntnisse über die „Alarmanlagen“ im angeborenen Immunsystem weisen den Weg zu wirksameren Impfstoffen und neuen Medikamenten gegen Autoimmunkrankheiten. Für wesentliche Beiträge hierzu wurden Prof. Dr. med. Veit Hornung vom Universitätsklinikum Bonn und PD Dr. med. Jürgen Ruland von der Technischen Universität München und dem Helmholtz-Zentrum München am 12. April 2010 mit dem Paul-Martini-Preis geehrt.

Das angeborene Immunsystem hat eine zentrale Rolle bei der Steuerung erworbener Immunantworten. Als Teil davon sind Immunzellen mit rezeptorbasierten Detektionssystemen ausgestattet, die typische Merkmale eingedrungener Viren, Bakterien und Pilze erkennen. Die Immunzellen sorgen über intrazelluläre Signaltransduktionswege unter anderem für das Ablesen bestimmter Gene und die Verbreitung von Botenstoffen, was wiederum Abwehrmaßnahmen gegen die Eindringlinge initiiert. Die beiden Preisträger haben unabhängig voneinander mehrere Rezeptor- und „Schalt“-Moleküle des angeborenen Immunsystems identifiziert und gezeigt, wie sie interagieren.

Die Träger des Paul-Martini-Preises 2010: PD Dr. med. Jürgen Ruland (links) und Prof. Dr. med. Veit Hornung (rechts); © PMS / Th. Böhm

So entdeckte Prof. Dr. med. Veit Hornung, Professor am Institut für Klinische Chemie und Pharmakologie des Universitätsklinikums Bonn, ein lang gesuchtes Rezeptormolekül und einen zweiten, unabhängigen Signalweg für die Erkennung von Viren anhand ihres Erbguts. Diese Erkenntnisse tragen zum Verständnis bei, wie Körperzellen die Viren, die beispielsweise Herpes, Gürtelrose oder Gebärmutterhals-Krebs verursachen, aufspüren und bekämpfen. Diese Abwehrmechanismen sollen nun mit synthetischen Erbgut-Stückchen gezielt ausgelöst und gegen Viren und Tumorerkrankungen eingesetzt werden. Die Vorbereitung für die klinische Prüfung dieser Substanzen laufen am Universitätsklinikum Bonn auf Hochtouren.

PD Dr. med. Jürgen Ruland, Forschungsgruppenleiter in der 3. Medizinischen Klinik am Klinikum rechts der Isar der TU München und Leiter der Arbeitsgruppe „Signalleitung im Immunsystem“ im Helmholtz-Zentrum München, klärte unter anderem die Signaltransduktion bei einem Eindringen von Grippeviren, Pilzen oder Mykobakterien auf. Diese Erkenntnisse lassen sich unter anderem für bessere Impfstoffe nutzen. Denn Impfungen können einen noch verlässlicheren und nachhaltigeren Schutz gegen eine Krankheit hervorrufen, wenn sie den Körper optimal „alarmieren“.

Die Entdeckungen von Prof. Hornung und Dr. Ruland geben nicht nur wichtige Anstöße zur Impfstoffentwicklung. Sie liefern auch Ansatzpunkte für eine gezielte Hemmung einzelner Komponenten des Immunsystems. Diese wäre beispielsweise sinnvoll bei Lupus erythematodes. Bei dieser Autoimmunkrankheit löst körpereigene – und nicht wie sonst fremde – DNA einen Alarm und damit eine schwere Entzündungsreaktion aus. Die biopharmazeutische Forschung ist die Basis für die genaue molekulare Kenntnis der „Alarmanlagen“ und kann nun die gezielte Entwicklung geeigneter Medikamente ermöglichen.


Die gemeinnützige Paul-Martini-Stiftung, Berlin, fördert die Arzneimittelforschung sowie die Forschung über Arzneimitteltherapie und intensiviert den wissenschaftlichen Dialog zwischen medizinischen Wissenschaftlern in Universitäten, Krankenhäusern, der forschenden Pharmaindustrie, anderen Forschungseinrichtungen und Vertretern der Gesundheitspolitik und der Behörden. Träger der Stiftung ist der vfa, Berlin, mit seinen derzeit Mitgliedsunternehmen. Die Stiftung ist benannt nach dem herausragenden Bonner Wissenschaftler und Arzt Professor Paul Martini (1889 - 1964), in Würdigung seiner besonderen Verdienste um die Förderung und Weiterentwicklung der klinisch-therapeutischen Forschung, die er mit seiner 1932 veröffentlichten „Methodenlehre der therapeutischen Untersuchung“ über Jahrzehnte wesentlich geprägt hat.



Stand: 12. April 2010
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