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Biotech-Studie


27. April 2009

Medizinische Biotechnologie wächst trotz Krise um 9 Prozent

 
„In der Wirtschaftskrise zeigt sich die medizinische Biotechnologie bislang resistent. 2008 sind die Biopharmazeutika-Umsätze in Deutschland mit 9 Prozent doppelt so stark gewachsen wie der Gesamtpharmamarkt. Mit unverändert rund 34.000 hoch qualifizierten Mitarbeitern leistet die medizinische Biotechnologie zudem einen wichtigen Beitrag zum Wirtschafts- und Forschungsstandort Deutschland.“ Das erklärt Dr. Frank Mathias, Vorsitzender von vfa bio und Vorstandsmitglied der MediGene AG, Martinsried, bei der Vorstellung des Branchenreports „Medizinische Biotechnologie 2009“. Dieser wurde von der Unternehmensberatung The Boston Consulting Group (BCG) für vfa bio, die Interessengruppe Biotechnologie im vfa, erstellt. Er analysiert die Aktivitäten deutscher Biotech Start-ups wie auch die großer Biotech-Firmen und solcher Pharma-Unternehmen, die in der medizinischen Biotechnologie aktiv sind.

Produktionsanlagen zur Biopharmazeutischen Herstellung bei Boehringer Ingelheim. (©  Boehringer Ingelheim)


„Wir können uns auf dem recht guten Ergebnis von 2008 jedoch nicht ausruhen“, so Mathias, „die Unternehmen nicht, und auch nicht die Politik. Forschungsintensive Firmen – wie es biopharmazeutisch tätige Unternehmen par excellence sind – müssen immer wieder Standortentscheidungen überprüfen, und dabei spielen die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen eines Landes eine zentrale Rolle.“ Das gelte erst recht in Zeiten, in denen die Gesamtlage in Realwirtschaft und Finanzen problematisch ist. Mathias plädierte deshalb insbesondere für die Einführung einer steuerlichen Forschungsförderung und die Verbesserung der Rahmenbedingungen für Investitionen, da die medizinische Biotechnologie eine besonders risikoreiche und kapitalintensive Branche ist. Mathias äußerte sich optimistisch, dass gerade eine steuerliche Forschungsförderung bestehende Standortnachteile beseitigen und noch mehr Forschung nach Deutschland ziehen würde.

Etwa jeder sechste Euro im deutschen Arzneimittelmarkt wurde 2008 mit Biopharmazeutika, also gentechnisch hergestellten Präparaten erzielt, insgesamt 4,4 Milliarden Euro. Mit 9 % wuchsen die Umsätze mit Biopharmazeutika deutlich stärker als der Gesamtpharmamarkt (+4 %). Wachstumstreiber waren insbesondere Medikamente gegen ZNS-Krankheiten wie Multiple Sklerose (+25 %), Krebs (+20 %) und immunologische Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis (+17 %). Bei letzterem Krankheitsgebiet erzielen Biopharmazeutika mittlerweile einen Marktanteil von 53 %, bei Infektionskrankheiten 28 %.

Die Zukunft der medizinischen Biotechnologie ist weiterhin vielversprechend: Die Zahl neuer Präparate in der klinischen Erprobung, die Pipeline, wuchs 2008 um 18 % auf 419 Präparate. „Während 2007 besonders viele Präparate nach guten Phase-II-Resultaten in die dritte und letzte Erprobungsphase vor der Zulassung eintraten, sehen wir 2008 vor allem, dass die Pipeline von unten aufgefüllt wird“, erläutert Mathias. So wuchs die Zahl von Präparaten in der ersten klinischen Phase um 28 %, die in Phase II um 22 %.

Präparate mit monoklonalen Antikörpern haben daran wesentlichen Anteil: Um beachtliche 28 % hat sich ihre Zahl binnen eines Jahres in den Pipelines erhöht. Diese gentechnisch produzierten Wirkstoffe sind von Molekülen des menschlichen Immunsystems abgeleitet. Sie können sehr gezielt im Körper an bestimmte Substanzen oder Zellen binden und so ins Krankheitsgeschehen eingreifen. Dies eröffnet neue Therapiemöglichkeiten für früher kaum behandelbare Krankheiten, darunter viele Entzündungskrankheiten und Krebsarten. 19 Präparate mit monoklonalen Antikörpern wurden in Deutschland bis Ende 2008 zugelassen (bis April 2009 sogar 21). Der deutsche Umsatz mit dieser Medikamentengruppe hat sich in den letzten fünf Jahren von 273 Millionen auf 1,2 Milliarden Euro fast verfünffacht, und ihr Anteil am Biopharmazeutika-Umsatz im gleichen Zeitraum von 11 auf 28 % gestei-gert. Mit monoklonalen Antikörpern verbindet sich daher gleichermaßen eine Erfolgsgeschichte für die Patienten und die Unternehmen.

„Bei der biopharmazeutischen Produktion behauptet Deutschland in Europa unangefochten Platz eins und ist weltweit nach den USA auf Position zwei“, berichtet Mathias mit Blick auf die installierten Kapazitäten der Fermenter – der Bioreaktoren, in denen die Bakterien, Hefen oder Säugerzellen für die gentechnische Produktion vermehrt werden. Dies bedeutet hoch qualifizierte und sichere Arbeitsplätze.

Präsentation mit ergänzendem Handout zum Report „Medizinische Biotechnologie in Deutschland 2009“ der Boston Consulting Group [PDF, 775 KB]


Stand: 27. April 2009