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1. Juni 2007

Entwicklung der Biotech-Branche aus Sicht eines Investors

 
Eine große US-amerikanische Investment Bank hat für die Biotechnologie-Branche ein ausgesprochen erfolgreiches Jahr 2006 konstatiert. Seit 2003, als der letzte "Down Cycle" endete, ist die Biotech-Industrie kontinuierlich gewachsen. Dieses Wachstum ist umso bemerkenswerter, wenn man berücksichtigt, dass einige große Biotech-Firmen mit Marktkapitalisierungen über mehrere Milliarden US-Dollar durch große Pharma-Unternehmen übernommen worden sind. Dieses der Biotech-Branche verloren gegangene Marktkapitalisierungsvolumen musste die Biotech-Industrie nicht nur kompensieren, sondern sogar noch übertreffen, um den erwähnten Nettoanstieg im Wachstum zu schaffen.

Mit der Marktkapitalisierung eines Unternehmens ist sein Börsenwert gemeint, der sich aus der Multiplikation von Aktienkurs mit der gesamten Anzahl der ausgegebenen Aktien des Unternehmens ergibt. Die Marktkapitalisierung aller Biotech-Unternehmen (USA, Europa, Asien/Pazifik und Kanada) betrug 2006 rund 550 Milliarden US-Dollar, wobei der größte Anteil auf die USA entfiel. Für die guten Zahlen der Biotech-Branche werden unter anderem die Validierung ihrer Plattformen und Technologien sowie darüber hinaus der weiterhin anhaltende Trend "Big Pharma / Big Biotech sucht Biotech" verantwortlich gemacht. Dabei ist nicht jede Biotech-Firma für eine Übernahme pauschal interessant. Die großen Konzerne suchen Firmen, die strategisch zu ihnen passen und über viel versprechende Medikamente in der Entwicklung oder bestenfalls sogar kurz vor der Zulassung verfügen. Optimal ist es natürlich, wenn ein Übernahmekandidat nicht nur ein einzelnes interessantes Produkt aufweist, sondern über ganze Patent- und Produktfamilien verfügt.

Allianzen und Übernahmen sind seit einigen Jahren mit steigender Tendenz an der Tagesordnung. Die Investment Bank kommt zu folgenden Schlüssen:

  1. Das Wachstum in der Biotech-Branche wird anhalten und die Marktkapitalisierung weiterhin steigen.
  2. Sowohl Big Pharma als auch Big Biotech werden in Zukunft weiterhin konkurrierend im Wettbewerb um Firmen mit eigener, möglichst fortgeschrittener Pipeline stehen.
  3. In Zukunft wird die Frage der individualisierten Medizin auch aus Kostengründen eine zunehmende Bedeutung erlangen; Zulassungsbehörden werden entsprechende Biomarker-Ansätze mehr und mehr einfordern, damit Medikamente möglichst nur solchen Patienten verabreicht werden, bei denen sie eine hohe Wirksamkeit mit möglichst geringen Nebenwirkungen erzielen.
Insgesamt dürfte das Volumen von Biotech-Übernahmen im Kalenderjahr 2006 erstmals deutlich mehr als 30 Milliarden US-Dollar betragen und damit den Vorjahreswert um mehr als das Doppelte übertroffen haben. Nachfolgend sind einige Übernahmen von Biotech-Firmen aufgeführt, deren Wert über eine Milliarde US-Dollar betrug:

  • Die US-Firma Abbott übernimmt die US-Firma Kos Pharmaceuticals
  • Die britsche Firma AstraZeneca übernimmt die britische Cambridge Antibody Technology
  • Die US-Firma Lilly übernimmt das US-Unternehmen Icos
  • Die US-Firma Merck & Co. übernimmt die US-Firma Sirna Therapeutics
  • Die deutsche Merck KGaA übernimmt die Schweizer Serono
  • Die Schweizer Novartis übernimmt die US-Firma Chiron komplett
Auch 2007 gab es bereits eine sehr volumenstarke Übernahme der US-Firma Medimmune durch AstraZeneca. Branchenkenner gehen davon aus, dass das Thema Fusionen und Übernahmen (Mergers and Acquisitions) in den nächsten Jahren noch weiter an Bedeutung gewinnt. Darüber hinaus sind aber auch Partnerschaften von Wissenschaft und Wirtschaft und von verschiedenen Unternehmen untereinander entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Arzneimittelerforschung, -entwicklung und -vermarktung weiterhin von essentieller Bedeutung.
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